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Im Fokus: Gesundheitsgenossenschaften | Veröffentlicht am 21.06.2019

Mittendrin – Cooperative Mensch

Bewegungsangebote für Kleinkinder mit Einschränkungen

Inklusion, Integration – Fremdworte, die eigentlich immer dasselbe aussagen sollen: möglichst alle Menschen möglichst uneingeschränkt am Leben teilnehmen lassen. Für Menschen mit Behinderung engagiert sich seit mehr als 60 Jahren der Spastikerhilfe Berlin e. V.

Vor zehn Jahren war allein das Wort Inklusion echtes Fachchinesisch. Nur wenige Eingeweihte kannten sich mit der Idee dahinter aus. Trotz oder vielleicht wegen des Unwissens beschlossen die Abgeordneten des Bundestages die kleine Sensation: Es ist kurz vor Feierabend. Nur noch ein paar Dutzend Abgeordnete sitzen im Parlament, als der Bundestagspräsident am 4. Dezember 2008 um 22 Uhr Tagesordnungspunkt 23a aufruft. Müde erheben sich alle als Zeichen der Zustimmung. Ohne Gegenvotum wird beschlossen, dass Deutschland der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen beitritt – und sich völkerrechtlich bindend verpflichtet. Stichtag war der 26. März 2009. Zu dieser Zeit werden beispielweise 80 Prozent der behinderten Jungen und Mädchen in Deutschland in Spezialeinrichtungen unterrichtet. Übrigens: ein weltweit einmaliges Ausmaß an Ausgrenzung. In Deutschland ist das Alltag: Menschen mit Behinderung werden ausgegrenzt, haben kaum die Möglichkeit, am „normalen“ Leben teilzunehmen.
Genau bei dieser Ausgrenzung setzt die Berliner Genossenschaft Cooperative Mensch an. Eigentlich besteht sie seit mehr als 60 Jahren unter dem Namen Spastikerhilfe Berlin und entwickelte sich ursprünglich aus einer Elterninitiative. 2018 wurde daraus die Genossenschaft. „Heute sind wir Trägerin von Einrichtungen und Diensten mit dem Ziel, Menschen mit und ohne Behinderungen größtmögliche gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen“, erklärt das Vorstandsmitglied Georg Dudaschwili. An mehr als 25 Standorten bietet die Genossenschaft mitten in Berlin vielseitige Förderung und individuelle Betreuung: Das reicht vom stationären Wohnen über ambulante Dienste wie betreutes Einzelwohnen in der eigenen Wohnung und in Wohngemeinschaften bis hin zu Intensivfördergruppen für Kinder mit hohem Hilfebedarf, Tagesförderstätten und auch Integrations-Kindertagesstätten sowie Kinder- und Jugendambulanzen/Sozialpädiatrische Zentren.

Das ganz normale Leben leben
Inzwischen gehören mehr als 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Team der Genossenschaft. Sie begleiten und unterstützen die Menschen ganz individuell und nach persönlichem Bedarf beim Bewältigen des Alltags. Dudaschwili bringt die Arbeit der Genossenschaft noch besser auf den Punkt: „Unsere Dienstleistungen basieren auf einem ganzheitlichen Menschenbild, das die Zugehörigkeit eines jeden zur Gesellschaft und das Recht auf lebenslange Persönlichkeitsentwicklung umfasst.“ An der Spitze steht er nun fast auf den Tag seit zwanzig Jahren. „Partnerschaftlich und gemeinsam wirkend, verbinden wir soziale Ziele mit den dafür notwendigen wirtschaftlichen Voraussetzungen.“ Und alle lernen voneinander. Das ist auch in der neuen Integrations-Kindertagesstätte sofort zu spüren. Eröffnet hat sie 2019. Dort werden Mädchen und Jungen betreut, die in die Welt stürmen, und solche, denen das nicht aus eigener Kraft gelingt. So spielen Kinder mit Behinderungen – entsprechend ihren Bedürfnissen assistiert – gemeinsam mit Kindern ohne Behinderung. Für Georg Dudaschwili war diese Einrichtung ein weiterer wichtiger Baustein im genossenschaftlichen Angebot. Lobend erwähnt er bei diesem Projekt die gute Zusammenarbeit zwischen Senat, Pankower Bezirksamt und Genossenschaft. „Die kurze Planungsphase von nur zwei Jahren, die schnelle Umsetzung und Eröffnung zeigen, dass alle an einem Strang gezogen haben“, erklärt Dudaschwili. Ein ebenfalls außergewöhnliches Projekt ist der inklusive Bürgertreff in der Schöneicher Straße. Unter dem Motto „Gemeinsam im Kiez leben“ treffen dort Menschen mit und ohne Behinderung aufeinander. Leider fehlen jedoch für solche Vorhaben ausreichend ehrenamtliche Engagierte. Obwohl die Genossenschaft regelmäßig Aufrufe starte, wäre mehr als genug Arbeit und Spaß für weitaus mehr Menschen da.

Unterstützung auch mit Assistenz
Die Genossenschaft unterstützt Menschen jeden Alters auch mit Assistenzen. So haben auch schon ältere Menschen den Sprung in eine gewisse Unabhängigkeit geschafft: Was früher die Eltern leisteten, leistet heute ein Assistent. Er hilft im Haushalt, in der persönlichen Pflege. Das ist auch oft ein Weg aus der Isolation und schafft neues Selbstbewusstsein. Denn das Aufeinandertreffen von Menschen mit und ohne Behinderung ist oft von Unsicherheiten geprägt. Inklusion fängt im Kopf an. Beide Seiten müssen sich erst beschnuppern. Im Alltag fehlt jedoch oft der Platz für dieses sensible Thema. Der Bürgertreff in der Schöneicher Straße ist aber so ein Platz. „Es ist ein Nachbarschaftstreff, in dem alle Angebote gleichermaßen für Menschen mit und ohne Behinderung gedacht sind“, sagt Sieghard Gummelt, Pressesprecher der Cooperative Mensch. Der Begegnungsort befindet sich im Souterrain einer Wohneinrichtung der Genossenschaft. 32 Menschen haben hier ihr Zuhause, auch wenn sie wegen ihrer Behinderung einen hohen Assistenzbedarf haben. Der Treff soll die Bewohner mit den Nachbarn im Kiez zusammenbringen, indem sie gemeinsam ihre Freizeit gestalten. Das geht etwa beim Acrylmalkurs, beim interkulturellen Kochabend oder beim Gärtnern. Denn, so Dudaschwili: „Inklusion bedeutet eigentlich, das ganz normale Leben zu leben. Einzige Grundbedingung: Man muss es wollen.“

Yvonne Reißig


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