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Im Fokus: Gesundheitsgenossenschaften

Hausarzt verzweifelt gesucht

Ein Blick in das Büsumer Ärztehaus

Lange Wartezeiten, weitere Anfahrtswege, Patienten werden abgewiesen – vor allem auf dem Land wird der Hausarztmangel zunehmend spürbar. Die Ärztegenossenschaft Nord (äg Nord) hat seit mehr als zwei Jahrzehnten gute Gegenmittel. Aktuell sind zwanzig Projekte in Planung und Umsetzung.

Vor allem auf dem Land fehlen zunehmend Hausärzte. Bundesweit. Das lässt Patienten verzweifeln und bringt Ärzte oft ans (Arbeits-)Limit. Doch inzwischen gibt es erste Konzepte gegen den Landarztmangel.
Jeder dritte Hausarzt ist älter als 60 Jahre. Tendenziell werden es mehr. Ein Grund: Der Nachwuchs fehlt. So wird die Hausarztsuche immer schwieriger. Unterversorgt sind vor allem kleinere Orte und ländliche Regionen in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Und diese Situation wird sich zuspitzen.

Laura Löffler, Ressortleiterin Regionale Versorgung bei der Ärztegenossenschaft und Geschäftsführerin des Dokterhuus Silberstedt

Ärztegenossenschaft als Rezept gegen Hausarztmangel

In Büsum haben die Menschen das Problem gemeinsam gelöst: Die Gemeinde gründete selbst ein Ärztezentrum und schaffte es, sechs Hausärzte dafür zu gewinnen. Die Mediziner sind bei der Kommune angestellt. Teamwork ist für sie selbstverständlich, Teilzeitarbeit möglich. Entwickelt wurde das Konzept für das Ärztezentrum in Büsum von der Ärztegenossenschaft Nord, einem Verbund niedergelassener und angestellter Ärzte und Psychotherapeuten. Start war 2015. Seitdem berät die Genossenschaft viele Gemeinden in Norddeutschland, die ebenfalls Projekte gegen den Hausarztmangel entwickeln wollen. Weitere drei Gesundheitszentren wurden nach Büsum realisiert: auf Pellworm, in Lunden und Silberstedt. Zurzeit ist die Genossenschaft in gut zwanzig weiteren ähnlichen Projekten in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und sogar Mecklenburg-Vorpommern eingebunden. Ein vielversprechendes Projekt entsteht seit 2017 in der Gemeinde Helgoland. Auch dort muss ein zukunftsfähiges Modell für die ambulante Versorgung auf der Insel entwickelt werden. Thomas Rampoldt, Geschäftsführer der Ärztegenossenschaft Nord und des Ärztezentrums Büsum, beschreibt das Ziel mit einem Ausspruch von Hoffmann von Fallersleben (1842): „Wer auf festem Lande nirgends Heilung fand, wird sie wahrlich finden dort in Helgoland.“ Laura Löffler, Ressortleiterin Regionale Versorgung bei der äg Nord und Geschäftsführerin des Dokterhuus Silberstedt, ergänzt: „Im Februar haben wir mit den niedergelassenen Ärzten, dem Bürgermeister und anderen Leistungserbringern auf der Insel gesprochen. Wir wollen Nachwuchsmediziner für das ruhige Leben, Seehunde und die direkte Strandlage begeistern. Aber gelingen wird es uns nur, wenn auch die Arbeitsbedingungen den Anforderungen der jüngeren Ärzte gerecht werden, wie es in Büsum gelungen ist.“ Thomas Rampoldt sieht die Idee als Hilfe zur Selbsthilfe: „Wir als Genossenschaft unterstützen ärztliche, inhabergeführte Gemeinschaftspraxen und beteiligen uns am Aufbau sowie Betrieb der kommunalen Ärztezentren – immer mit Zustimmung und im Sinne der Niedergelassenen. Wir wollen jungen Kolleginnen und Kollegen ein ärztliches Angebot machen, gleichzeitig den älteren Praxisinhabern die Chance bieten, noch ein paar Jahre mit geregelter Arbeit und ohne Druck tätig zu sein.“ Die Genossenschaft ist zunächst Berater und kann später auch als Vermittler zwischen Arzt und kommunaler Verwaltung auftreten. „Gemeinsam mit allen involvierten Akteuren erarbeiten wir so nach und nach eine individuelle Lösung“, erklärt der Geschäftsführer weiter. Auch politisch mischt sich die Ärztegenossenschaft ein: Beispiele sind die Debatten um das „Gesetz für den Medizinischen Dienst“ und die festgeschraubten Finanzierungsprobleme zwischen den Sektoren „ambulant“ und „stationär“. Einerseits funktioniere die sektoren- und branchenübergreifende Arbeit nur selten, andererseits müsse die gleiche Bezahlung für gleiche ärztliche Leistungen endlich gesetzlich geregelt werden. Bundesminister Jens Spahn (CDU) setzt hier zurzeit mit einem neuen Gesetzesentwurf an. Rampoldt sieht den Entwurf als ersten Lösungsansatz.

Der Wartebereich im Büsumer Ärztehaus

Vorzeigeprojekt lockt erste Nachwuchsärzte an
Das Vorzeigemodell hat nun sogar Nachwuchsmediziner nach Büsum gelockt. Drei Ärzte werden dort zum Facharzt für Allgemeinmedizin weitergebildet. Zwei „Senioren“ konnten bereits mit gutem Gewissen den Ruhestand antreten: Ihre Patienten werden gut versorgt und bei den jungen Ärzten stimmt sogar die sogenannte Work-Life-Balance. Denn im Ärztezentrum à la Büsum werden Ärzte in Voll- und Teilzeit beschäftigt. Sie arbeiten im Team. Vor allem junge Ärztinnen und Ärzte wollen keine eigene Praxis. Zu lange Arbeitszeiten, zu wenig Zeit für Kinder und Familie, zu hoch das wirtschaftliche Risiko gerade hinsichtlich von Regressforderungen seitens der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), wenn Mediziner ihre Honorar- und Verordnungsbudgets überschreiten. Die Folge: „Den klassischen freiberuflichen, auf dem Land niedergelassene Arzt gibt es kaum noch. Die Landarztpraxis muss nun erst wieder für junge Ärzte attraktiv werden“, so Rampoldt. Kassenärztliche Vereinigungen, die in Deutschland für die Versorgung der Kassenpatienten zuständig sind, versuchen ebenso wie Landesregierungen Anreize für neue Landärzte zu schaffen. Das geht von einer Unterstützung bei der Suche nach Kinderbetreuung über die finanzielle Beteiligung an der Praxis bis hin zur Neuausrichtung des Landarztstudiums und der neuen Landarztquote im Medizinstudium. Inzwischen kommen die Hilferufe sogar aus Mecklenburg-Vorpommern: Seit Anfang des Jahres gibt es ein Projekt für die Sicherung der hausärztlichen ambulanten Versorgung in Goldberg-Mildenitz.
Yvonne Reißig


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