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Europa-Spezial: Österreich

Genuss durch Braukunst: Gerstensaft überzeugt mit Bio-Qualität

„Zusammenhalten und den großen, preisdiktierenden Brauereien trotzen!“ Das ist der treibende Motor der Brauerei-Genossenschaft in Vorarlberg. Erst als Wirtegemeinschaft, seit 2016 auch unter Beteiligung der Menschen aus der Region.

Frastanzer Bier schmeckt einfach, sagt Kurt Michelini, Geschäftsführer der Genossenschaft im Vorarlberger Frastanz. Der unverfälschte und reine Geschmack sei das Ergebnis traditioneller Braukunst und bester – meist ökologischer und nachhaltig gewonnener – Rohstoffe. Wahrscheinlich ist sie die größte Biobrauerei in Österreich überhaupt. „Gemeinsam mit mehr als 1.400 Mitgliedern entscheiden wir auch heutzutage über den künftigen Weg des Unternehmens, über neue Produkte und Vertriebswege“, erklärt der studierte Betriebswirtschaftler weiter. Seit elf Jahren führt er die Genossenschaft nun an. Ursprünglich gelernt hatte er den Beruf des Fleischers.
Die Brauerei Frastanz ist und bleibt ein Wahrzeichen der Region und stärkt wie schon im 20. Jahrhundert Wirte, Arbeitnehmer und Händler vor Ort gleichermaßen. Nicht das kurzfristige Profitstreben stehe im Vordergrund, sondern nachhaltiger Nutzen für Kunden und Genossenschafter sowie höchster Qualitätsanspruch beim Bierbrauen.

Gebraut wird traditionell im denkmalgeschützten Sudhaus. Aus Wasser, Malz und Hopfen entsteht die Würze, die anschließend in den Whirlpool gepumpt wird, wo unlösliche Hopfenbestandteile und Eiweiß entfernt werden. Die Würze wird anschließend abgekühlt und in den offenen Gärkeller geleitet. Beim offenen Gärverfahren handelt es sich um eine traditionelle Gärtechnologie. Diese Hauptgärung, bei der die Hefe den Malzzucker zu Kohlensäure und Alkohol umwandelt, dauert etwa sieben Tage. Während dieser Zeit muss im Gärkeller eine Temperatur von sechs bis acht Grad Celsius gehalten werden. Fertig ist das Bier erst, wenn es vier bis acht Wochen im Lagertank gereift ist. Die Brauerei Frastanz verzichtet komplett auf eine thermische Behandlung der Biere. Konkret heißt das: „Unser Bier wird kalt abgefüllt und nicht pasteurisiert“, sagt Kurt Michelini. Die meisten Brauereien machen es sich einfacher: Sie erhitzen das Bier und töten dadurch mögliche Keime ab. „Durch unsere traditionelle Brautechnik müssen wir extrem sauber arbeiten. Für die Haltbarkeit sorgen bei uns lediglich Alkohol, Hopfen und die Filtration.“

Fünf Millionen Euro für Umbau
Gebraut wird nach wie vor im historischen Sudhaus aus dem Jahr 1903. Dort unterhalb des Hausbergs „Drei Schwestern“ hat alles begonnen. Die Brauerei wurde im Laufe der Jahrzehnte jedoch immer wieder ergänzt und erweitert; dennoch ist ein Teil der Infrastruktur in die Jahre gekommen. Deshalb stemmt die Brauerei zurzeit einen großen Modernisierungsschub. Geplant ist eine Investition von bis zu fünf Millionen Euro. Dafür wurde bereits das bestehende Verwaltungsgebäude erneuert und erweitert. Jetzt ist der Bau eines neuen Heizhauses dran, wodurch die Abwärme des Brauprozesses effektiver genutzt werden soll. Nachdem bereits 2017 eine Photovoltaikanlage auf dem Hauptlager errichtet wurde, folgte 2018 eine zweite auf der östlichen Lagerhalle. „Der Umbau erfolgt nach strengen ökologischen Vorgaben“, erklärt der Geschäftsführer die neuen Pläne. „Die regionale Genossenschaftsbrauerei will den Bio-Anteil weiter ausbauen.“

Um den strengen Lebensmittelrichtlinien zu folgen, wurde zudem ein neues Qualitätslabor gebaut, das eine noch effektivere Überwachung des Biers ermöglicht. Dazu gehöre auch eine eigene Hefereinzuchtanlage.
Der größte Umbauschritt wird neben dem historischen Sudhaus ein neuer Gär- und Lagerkeller auf zwei Ebenen, eine für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie eine für Besucherinnen und Besucher. Wichtig dabei: Die offene Hauptvergärung des Biers, ein heute nur noch sehr selten durchgeführtes Verfahren, wird trotz des neuen Gebäudes bestehen bleiben. Denn eines ist den Frastanzer Brauern wichtig: Die Qualität des Biers soll nicht verändert werden, ebenso sollen die Kernsorten unberührt bleiben. Die eine oder andere Produktergänzung ist aber sehr wohl geplant.

Volksbrauerei für alle
Durch die bereits erfolgte Erweiterung der Genossenschaft auf Privatpersonen und die Umbauten verfolgt die Brauerei ein großes Hauptziel, bekennt Kurt Michelini: „Wir wollen eine echte Volksbrauerei für alle sein.“ Deshalb wurde die Bier-Brauereigenossenschaft für die Menschen in der Region geöffnet und aus den ehemals rund 100 Eigentümern wurden binnen weniger Monate 1.400. Durch diese Aufstockung des Eigenkapitals wurden die geplanten Investitionen erst möglich. Der Neuausrichtung der Genossenschaft ging ein knapp zweijähriger Organisationsentwicklungsprozess voraus. Neue Satzungen wurden ausgearbeitet und in einer Generalversammlung die Anteile neu aufgeteilt. Inzwischen gibt es eine Warteliste mit etwa 200 weiteren Interessenten. Ein Anteil ist für 500 Euro erhältlich, ein Interessent kann maximal zehn Anteile zeichnen. Zudem werden Anteile de facto nur in Vorarlberg – dem Einzugsbereich der Brauerei – ausgegeben.

Mit nun 1.400 Genossenschaftern wird vor allem die Eigenständigkeit der Brauerei gesichert. Ein Verkauf an einen Konzern sei so de facto ausgeschlossen. Mit dem Umbau wurden außerdem die Produktionskapazitäten deutlich erhöht; auch damit sei die Brauerei für die Fortsetzung der Entwicklung der vergangenen Jahre gerüstet.

Umsatz von zehn Millionen Euro
„Wir haben als Marke deutlich an Wert zugelegt und werden österreichweit zunehmend als Spezialitätenbrauerei wahrgenommen“, ergänzt Geschäftsführer Kurt Michelini. Der Umsatz habe sich inzwischen auf zehn Millionen Euro gesteigert, das sei im Vergleich zu 2015 eine Verbesserung um zwei Millionen Euro.

Die Brauerei Frastanz produziert mit 50 Mitarbeitern derzeit etwa fünf Millionen Liter (50.000 Hektoliter) Bier pro Jahr, das zu 95 Prozent in Vorarlberg verkauft wird. Damit erzielt die Brauerei im westlichsten österreichischen Bundesland einen Marktanteil von 15 Prozent. Seit einiger Zeit kann das Bier auch ganz frisch ab Brauerei an der sogenannten Rampe gekauft werden. „Diesen Rampenverkauf haben wir eingerichtet, weil uns der direkte Kontakt zu unseren Kunden wichtig ist“, bekennt Kurt Michelini. Inzwischen setze die Brauerei darüber knapp zwanzig Prozent der gesamten Produktion ab. Und das trotz anfänglicher Skepsis der Bier abnehmenden Geschäftspartner.
Yvonne Reißig


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