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Europa-Spezial: Dänemark | Veröffentlicht am 09.12.2019

Diesen Fahrradladen lenkt die Belegschaft selbst

Vor fünf Jahren stand ein Zweiradgeschäft im aufstrebenden Kopenhagener Stadtteil Nørrebro vor dem Aus. Vier Mechaniker und ein Historiker betreiben es seitdem in genossenschaftlicher Eigenregie.

Die Blågårdsgade 13 im Kopenhagener Viertel Nørrebro bietet sich als Standort an, um Fahrräder an junge Menschen und Familien zu verkaufen. Sie liegt in direkter Nähe der kleinen Seen rund um die Kopenhagener Innenstadt. „Wie viele traditionelle Arbeiterviertel wird Nørrebro zunehmend beliebter, was sich in steigenden Mieten niederschlägt – ein bisschen vergleichbar mit Berlin-Kreuzberg“, berichtet Peter Larsen, Mitgründer der Københavns Cykelkooperativ.

Dennoch verlor vor einigen Jahren der frühere Betreiber eines Fahrradgeschäftes an dieser Adresse das Interesse. „Er schloss den Standort und entließ gleichzeitig auch die Beschäftigten in anderen Filialen seiner Kette“, erinnert sich Larsen. So schlug 2015 die Geburtsstunde der Københavns Cykelkooperativ, gegründet von fünf ehemaligen Mitarbeitern der alten Fahrradhandelskette. „Das Genossenschaftsmodell als Möglichkeit, die eigenen Arbeitsbedingungen besser zu kontrollieren, hatte uns schon immer interessiert“, erzählt Larsen. „Persönliche Erfahrungen mit dem Genossenschaftsbetrieb hatte aber bis dahin niemand von uns.“ Der Start sei durchaus herausfordernd gewesen. Der Weiterbetrieb des Fahrradladens in der Blågårdsgade 13 habe die fünf Gründer – darunter vier gelernte Fahrradmechaniker und ein ebenfalls fahrradbegeisterter Historiker mit langjähriger technischer Erfahrung – vor viele kaufmännische und juristische Fragen gestellt: „Das war für uns alle bis dahin neu.“

Das erforderliche Eigenkapital brachten die Gründer ebenfalls selbst mit. „Am Anfang haben wir vor allem Reparaturaufträge angenommen und privates Werkzeug verwendet, um die Kosten niedrig zu halten“, so Larsen. „Erst später konnten wir uns teurere Ware und Geschäftsausstattung für den Laden leisten. Aber das ist ja typisch für Start-ups.“ Heute verkauft Københavns Cykelkooperativ rund 200 Räder pro Jahr. Die Zahl der jährlich ausgeführten Reparaturaufträge gibt Larsen mit etwa 3.000 an. Ihren Schwerpunkt hat die Genossenschaft bei traditionellen Zweirädern. Doch Lastenräder der Kopenhagener Kultmarke „Christiania“ sind bei der Københavns Cykelkooperativ ebenfalls zu haben. Derzeit prüft die Genossenschaft zudem, ob sie E-Bikes ins Programm aufnehmen will.

Eine Expansion, etwa durch Eröffnung weiterer Filialen, kann sich Larsen durchaus vorstellen. „Aber wir warten erst einmal ab, wie sich unser Modell entwickelt.“ Alle größeren geschäftspolitischen Entscheidungen treffen die Fünf – der Kreis der Mitglieder blieb seit der Gründung unverändert – bei ihren monatlichen Treffen gemeinsam. „Kleinere Entscheidungen im laufenden Geschäftsbetrieb überlassen wir denjenigen, die gerade Dienst haben. Das funktioniert gut.“

Hohe Priorität haben gute Arbeitsbedingungen für die fünf Mitarbeiter, die alle gleichzeitig Genossen sind. Hierzu zählt Larsen beispielsweise Urlaub, Altersvorsorge und Elternzeiten. „Das ist in der hart umkämpften Kopenhagener Fahrradbranche leider kein Standard.“ Dass die Genossenschaft trotzdem wettbewerbsfähige Preise bieten könne, führt er unter anderem auf die Gehaltsstruktur zurück. Einen Chef gibt es nicht. Alle erhalten – auf die Arbeitszeit umgerechnet – den gleichen Lohn und übernehmen im Tagesgeschäft ähnliche Aufgaben. Lediglich Buchhaltung und Einkauf werden von vorher festgelegten Personen übernommen.

Larsen ist vom Genossenschaftsmodell überzeugt und wirbt selbst dafür. Die Københavns Cykelkooperativ habe zu Beginn sehr von der Unterstützung durch andere, bereits etablierte dänische Genossenschaften profitiert, berichtet der Gründer. Eine zusätzliche Herausforderung sei gewesen, dass es in Dänemark – anders als in Deutschland – gar keine eigene Rechtsform für Genossenschaften gebe. Zwar stelle der dänische Genossenschaftsverband Empfehlungen bereit, wie Gründungen durchgeführt werden könnten, doch müssten diese immer an das jeweilige Geschäftsmodell angepasst werden. Larsen setzt sich daher für bessere gesetzliche Rahmenbedingungen ein. „Nach unserem Eindruck ist das Interesse an Genossenschaften in Kopenhagen inzwischen deutlich größer als 2015, als wir die Københavns Cykelkooperativ gegründet haben. Das freut mich sehr.“

Stefanie Schulte


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