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Europa-Spezial: Dänemark

Alle (Wind-)Kraft voraus

Mit enorm viel Rückenwind aus der Bevölkerung wurde vor mehr als zwei Jahrzehnten die Middelgrunden Offshore Windenergiegenossenschaft gegründet. Der von ihr gemeinsam mit dem örtlichen Energieversorger erbaute Windpark vor Kopenhagen liefert heute nicht nur sauberen Strom, sondern ist auch das berühmte Wahrzeichen von Dänemarks Hauptstadt und beliebtes Fotomotiv für Besucher aus aller Welt.

Was haben sie damals den Kopf geschüttelt, vor allem im Ausland. Wie können die Däninnen und Dänen ihr Gespartes bloß in Windenergie stecken? Immerhin ging es um umgerechnet 25 Millionen Euro, doch die kamen rasch zusammen: Rund 8.600 Bürgerinnen und Bürger legten die Summe in bar auf den Tisch. Heute, 22 Jahre später, können sie darüber immer noch schmunzeln. Denn ihre Investitionen machten sich rasch bezahlt – schon nach neun Jahren erhielten die nachhaltig Engagierten sie zurück. Mit geballter Energie haben sie damals 1,5 Kilometer vor den Toren Kopenhagens etwas auf die Beine – oder besser auf auf Fundamente – gestellt, was weltweit seinesgleichen sucht. Denn neben den zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern, die sich genossenschaftlich organisierten, stieg damals auch das örtliche Versorgungsunternehmen mit ins Boot, um mitten auf dem Meer 20 Windturbinen zu errichten – und zwar in einer leichten Kurve mit einem Abstand von jeweils 180 Metern, einer Gesamtlänge von 3,4 Kilometern und auf einer Gesamtfläche von einem Hektar.

„Mit den ersten echten Offshore-Windturbinen wollten wir zeigen, dass Dänemark bei erneuerbaren Energien auf See und mit Unterstützung der Bevölkerung ganz weit vorn und vor allem nicht auf Kernenergie angewiesen ist“, sagt Erik Christiansen. Er ist einer der Männer der ersten Stunde und seit der Gründung 1997 auch Vorstandsvorsitzender der Middelgrunden Windenergiegenossenschaft. Treibende Kraft war seinerzeit eine Gruppe von Bürgern, die bei einer lokalen Energiesparorganisation beschäftigt war. Sie hatten gemeinsam einen technischen Ansatz entwickelt, um zu zeigen, dass man auf dem Meer zwischen Dänemark und Schweden Windkraftanlagen errichten kann. Um ihrer Idee Auftrieb zu verleihen, gründeten sie 1997 eine Genossenschaft. Der Stadtrat von Kopenhagen unterstützte ihr Vorhaben – ebenso wie später das dänische Umwelt- und das Energieministerium, das schließlich auf Grundlage dieser Erfahrungen das erste Offshore-Windgesetz des Landes verabschiedete.

Im Frühjahr 2000 begann der Bau des Windparks im Kopenhagener Hafen. Dafür sowie für die spätere Wartung konnten heimische Handwerker gewonnen werden – quasi eine Win(d)-win-Situation. Im Mai 2001 nahm der Park schließlich seine Produktion auf. „Mehr als 10.000 Bürgerinnen und Bürger kamen zur Eröffnung, den ganzen Tag fuhren Boote zu den 20 Windrädern“, erinnert sich Erik Christiansen, der gemeinsam mit dem Leiter des Kopenhagener Umweltamtes den offiziellen Startschuss gab.

Anteile können vererbt werden
Zehn Turbinen sind seither im Besitz des Energieversorgers; die restlichen zehn gehören der Genossenschaft. Ihre gesamte Power wird zur zentralen Turbine Nummer 10 geleitet. Sie ist der wichtigste Verbindungspunkt, denn von hier wird die geballte Energie über ein Unterwasserkabel zum Amager Kraftwerk an der Ostküste transportiert. Allein die zehn Turbinen der Genossenschaft erzeugen 45 Millionen Kilowattstunden Strom Jahr für Jahr – das entspricht dem Energieverbrauch von zirka 28.000 dänischen Erwachsenen. „Wir haben nicht nur die CO2-Emissionen reduziert, sondern auch gezeigt, dass die Bürger erneuerbare Energien entwickeln und betreiben können, obwohl dafür riesige Investitionen nötig sind“, hebt der 63-Jährige hervor.

Der genossenschaftliche Gedanke wurde von Anfang an in der 8.527 Mitglieder starken Genossenschaft geliebt, gelebt und sogar vererbt. Die Mitglieder haben einen Teil ihres Anteils jüngeren Familienmitglieder vermacht, damit diese frühzeitig erfahren können, wie nachhaltige Projekte gemeinsam entwickelt werden können“, berichtet der Vorstandsvorsitzende. Jährlich organisiert die Genossenschaft eine Windpark-Tour für alle Mitglieder und ihre Familien. Zudem würden damit junge Menschen angeregt, den Schritten ihrer Eltern und Familienmitglieder zu folgen. Vorbild sind die Windenergiegenossen und ihre Turbinen auch für weitere Offshore-Windparks – beispielsweise vor der kleinen Insel Samsø.

Längst ist der Windpark Middelgrunden auf dem Öresund, der Meerenge zwischen dem dänischen Seeland und dem schwedischen Schonen, zu einem bedeutenden Wahrzeichen Kopenhagens geworden. Entlang der Küste wurden Penthousewohnungen gebaut, die mit dem Asset „Apartments mit sehr gutem Blick auf den Windpark“ vermarktet werden. Gute Aussichten also – und auf die setzen auch die Genossen: „Da unsere Standortkonzession 2025 ausläuft, bereiten wir bereits jetzt ein Re-Powering des Windparks vor und wollen auf den gleichen Plattformen größere Windturbinen errichten“, kündigt Erik Christiansen an. Zudem ist ein weiteres Projekt in Planung, das mit vielen Mitgliedern der Zukunftsorganisation Wind und in Kooperation mit dem Energieversorger realisiert werden soll. Auf genügend Rückenwind können sich die Genossen dabei sicherlich wieder verlassen.

Anja Scheve


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