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Bundesland-Spezial Sachsen-Anhalt | Veröffentlicht am 08.09.2017

Hier stehe ich, ich kann nicht anders

Reformationsjubiläum: Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg in Sachsen-Anhalt geschlagen haben soll. Was haben die Genossenschaftsidee und ihre Gründerväter damit zu tun?

Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Dieses Zitat wird Martin Luther zugeschrieben und beschreibt den Optimismus und die kämpferische Haltung des Reformators wie auch vieler anderer Reformer trotz vieler Widerstände in ihrem Leben. Vor 500 Jahren veröffentlichte der Priester, Prediger und Professor für Theologie an der Universität Wittenberg im heutigen Sachsen-Anhalt seine 95 Thesen, die ebenso wie später seine Übersetzung des Neuen Testaments und der Teile des Alten Testaments zu einem Wittenberger Exportschlager wurden und mit die Welt veränderten.

Reformation im Kinderzimmer

Luthers Werk prägt bis heute – und findet sogar Eingang in die moderne Popkultur. Vor zwei Jahren entschied sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Playmobil-Figur Luther als „Reformationsbotschafter“ einzusetzen. In diesem Jahr ging der Luther im schwarzen Talar und mit Federkiel in der Hand dann in den Verkauf. Mit großem Erfolg: Der Mini-Luther sei die erfolgreichste Playmobil-Einzelfigur in der Geschichte des Unternehmens. Erhältlich ist sie allerdings nur in Einrichtungen der EKD und in der Nürnberger Tourismus-Zentrale.

Playmobil Luther

Luther ist omnipräsent. So prägten seine Botschaften auch die Lebensmodelle der Gründerväter der Genossenschaften maßgeblich. Vor rund 210 Jahren wurde Hermann Schulze-Delitzsch nicht weit von Wittenberg in Delitzsch geboren, vor fast 200 Jahren kam Friedrich Wilhelm Raiffeisen im Westerwald zur Welt. Die Reformer Schulze-Delitzsch und Raiffeisen waren stark von Luther und dem Protestantismus beeinflusst und gründeten auch vor diesem Hintergrund Genossenschaften. Ihr Werk wäre ohne die Reformation wahrscheinlich so nicht möglich gewesen.

Die Reformation und die Genossenschaften

Warum waren die Reformation und mit ihr Reformer wie Luther, Philipp Melanchthon, Johannes Calvin und Thomas Müntzer dafür mitentscheidend? Das Zeitalter der Reformation im 15. und 16. Jahrhundert war voller polarer Spannungen. Als Luther 1483 in Eisleben in Sachsen-Anhalt geboren wurde, hatte das mittelalterliche Weltbild bereits starke Risse: Die Kritik an der Kirche, ihrem Allmachtsanspruch, ihren Missständen, wie dem Ablasshandel, nahm zu. Forschung, Wissenschaft und Kultur öffneten die ersten Fenster in die Zukunft: Johannes Gutenberg erfand den Buchdruck, Kolumbus entdeckte Amerika und Ferdinand Magellan bewies die Kugelform der Erde.

In dieser Zeit verfasste Luther seine 95 Thesen mit Kritik am Papst und am Ablasshandel. Papst Leo schickte eine Bann-androhungsbulle, die Luther öffentlich verbrannte. Kaiser Karl V. verhängte die Reichsacht gegen ihn. Unter dem Schutz seines sächsischen Landesfürsten Friedrich des Weisen floh Luther auf die Wartburg und übersetzte hier in elf Wochen das Neue Testament und Teile des Alten Testaments ins volkstümliche Deutsche.
Seine Übersetzungen und Schriften wurden zum Bestseller und dynamisierten die Reformation: 1530 legten die Protestanten eine eigene Erklärung ihres Glaubens vor, die lutherische Reformation breitete sich weiter in Deutschland und in den nordischen Ländern aus, die ersten evangelischen Landeskirchen entstanden.

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Freiheit, Selbstbestimmung und Verantwortung

Was war nun das Besondere, das Neue am mittelalterlichen Menschen und Theologen Luther und seinen Gedanken? Was war es, was sich auch nachhaltig auf die Genossenschaftsgründer auswirkte? Es war vor allem sein Menschenbild, das schon weit in die Moderne wies. So heißt auch eine seiner zentralen Schriften „Von der Freiheit des Christenmenschen“. Die Begriffe Freiheit, Selbstbestimmung, Bindung und Verantwortung waren wichtige Themen für ihn. Er sah den Menschen bei all seinem destruktiven Potenzial als reiches und begabtes Wesen, das zu verantwortlichen Entscheidungen fähig ist. Freiheit war für ihn eine göttliche Gabe. Deshalb ging er von der Gleichheit jedes Menschen vor Gott aus: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan.“ Da alle Menschen vor Gott gleich seien, könne und solle auch jeder seinen Beitrag zur Gestaltung des Gemeinwesens leisten. Der Gläubige dürfe der Welt nicht ihren Lauf lassen, sondern müsse sie in Verantwortung gestalten. Aus dieser Vorstellung heraus übersetzte Luther die Bibel ins Frühneuhochdeutsche und trug hierdurch zur Verbreitung einer einheitlichen Sprache, zur Alphabetisierung der Bevölkerung und zur kulturellen und letztlich auch nationalen Identität der Deutschen bei.

Außerdem entriss er, so der Politiker Peter Tauber, mit seiner Bibelübersetzung für das einfache Volk der Geistlichkeit die Herrschaft über das Wort und machte auch hierdurch die Gläubigen mündig. So begann auch hier der lange Marsch der Menschen zu mündigen Bürgern, zu mehr Wohlstand und zur Demokratie, dem sich auch die Genossenschaftsgründer mit ihren zum großen Teil aus dem Protestantismus abgeleiteten Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung anschlossen. Denn jede demokratische Gesellschaft lebt von der Partizipation.

Diese Werte und Einstellungen schätzten und lebten auch die Gründerväter Raiffeisen und Schulze-Delitzsch. Doch trotz ihres gemeinsamen Credos „gemeinschaftlich wirken, solidarisch handeln“ verfolgten sie unterschiedliche Ansätze: Schulze-Delitzsch, gläubiger Protestant und liberaler Politiker setzte auf den bis heute erfolgreichen marktwirtschaftlichen Weg, mit dem sich Handwerker und Kaufleute in Selbsthilfe im Wettbewerb durchsetzen sollten. Deshalb konzentrierte er sich vor allem auf die Vorschuss-Vereine und ihre günstige Kapitalbeschaffung und sicherte die Stellung der Genossenschaften mit dem Genossenschaftsgesetz ab. Dagegen setzte der tiefreligiöse Sozialreformer Raiffeisen weniger auf wirtschaftliche Zweckverbände als auf karitative Selbsthilfe und den Staat.


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