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Bundesland-Spezial Rheinland-Pfalz | Veröffentlicht am 14.07.2017

Asiatische Kirschessigfliege liegt auf der Lauer

Milde Winter und heiße Sommer: Die globale Erwärmung sorgt bei den rheinland-pfälzischen Winzern für einen guten Jahrgang nach dem anderen. Auf der anderen Seite geht er mit extremen Wetterkapriolen einher. Welche Folgen hat das für Winzer und ihre Genossenschaften? Wie gehen sie damit um? Die Redaktion sprach mit Albert Kallfelz, Geschäftsführer der Genossenschaft Wachtenburg Winzer, und Matthias Baltes, Vorstand der Winzergenossenschaft Mayschoss-Altenahr.

Der Klimawandel ist bei uns angekommen“, bestätigen Baltes und Kallfelz. Beide Genossenschafts-Chefs sind sich einig, dass sich die globale Erwärmung qualitätssteigernd auf ihre Weine auswirkt. Die Sommer seien spürbar wärmer geworden und hätten mehr Sonnenstunden als früher. „Das steigert die Qualität der Trauben und der Weine“, sagen Baltes und Kallfelz übereinstimmend. Und das sei schon seit Jahren der Fall. Gefühlt liege der letzte richtig schlechte Wein-Jahrgang schon lange zurück, Anfang der 90er Jahre, schätzt Kallfelz. „Wenn es gelingt, den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, dann sieht es für die deutschen Winzer weiter gut aus“, so der im Mai ausgeschiedene Weinbau-Präsident Norbert Weber in einem Interview mit Zeitung „Der Welt“. Winzer könnten vom Klimawandel profitieren, wenn sie dessen Chancen nutzen: zum Beispiel neue Rebsorten anbauten. Oder neue Lagen im Norden ausprobieren. So will auch Baltes künftig auf kleiner Fläche Neuzüchtungen testen. Außerdem berichtet er vom Joint Venture eines Winzer-Kollegen mit einem schwedischen Weingut. Rebflächen gäbe
es inzwischen auch in den Niederlanden, Großbritannien und Norwegen. Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass sich die Weinanbaugebiete künftig weiter nach
Norden verlagern. Kallfelz, der in seiner Genossenschaft schon 20 Rebsorten verarbeitet, sieht den Klimaveränderungen gelassen entgegen: „Wir haben schon vor acht Jahren unsere Genossenschaft umstrukturiert, stark maschinisiert und unsere Annahmekapazitäten auf das doppelte unserer Anbaufläche, nämlich 700 Hektar, ausgelegt. Wir ernten jetzt in zwei bis vier Wochen, wofür wir vorher sechs oder sieben Wochen gebraucht haben. So können wir in immer kürzerer Zeit große Mengen Trauben ernten und verarbeiten.“ Denn einig sind sich beide Winzerchefs: Bei den inzwischen heißen Sommer und unbeständigen Wetterverhältnissen sei vor allem eines entscheidend: der richtige Lesezeitpunkt. Obwohl die Winzer zurzeit noch vom Klimawandel profitieren, sind Baltes und Kallfez die Risiken sehr bewusst. Das Wetter werde immer unberechenbarer. „So hat allein der Frost in diesem Jahr zu Schäden von 30 Prozent bei unseren Winzern, bei anderen sogar bis zu 80 Prozent geführt“, sagt Baltes. Schon ein einziger heftiger Hagelschauer könne den Weinbergen schwer zu schaffen machen. Durch die höheren Temperaturen würde vor allem der Pilzbefall befördert, auch ausländische Schädlinge, wie die asiatische Kirschessigfliege, bereiten dem Weinbau große Sorgen. „Das haben wir aber inzwischen mit ökologischen Mitteln gut im Griff“, sagt Baltes.

Matthias Baltes ist Vorstandsmitglied der Winzergenossenschaft Mayschoss-Altenahr an der Ahr im Rheinland im nördlichsten Rotweinanbaugebiet Deutschlands mit einer Fläche von 150 Hektar, darunter viel Steillage.

Zucker, Oechsle und Alkohol

Mit der globalen Erwärmung steigt auch der Zuckergehalt in den Trauben. Das ist gut für Rotweine, aber weniger gut für Rieslinge. Wurden früher 80 Grad Oechsle gemessen, sind heute 90 Grad keine Seltenheit mehr. Je mehr Zucker die Traube hat, desto mehr Alkohol kann später bei der Gärung entstehen. „Und hier das richtige Verhältnis zu finden, das können wir nicht im Keller regeln, das muss schon am Rebstock passieren“, betont Kallfelz. Um die Zukunft machen sich beide Winzergenossenschaftschefs keine Sorgen. „Es überwiegen trotz Klimawandels bisher noch die Vorteile“, sagt Baltes. „Die Ausreifung der Trauben ist besser als vor 30 Jahren. Wir werden weiter Top-Weine produzieren.“ Zuversichtlich sind beide, dass sie und ihre Winzer die Klimaveränderungen meistern werden: sei es durch neue Rebsorten, innovative Techniken zur Produktionsoptimierung und Maßnahmen zur Reduzierung von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen. In diesem Zusammenhang bricht Kallfelz noch eine Lanze für das „Erfolgsmodell Genossenschaft“: „Angesichts der Klimaveränderungen wird es noch dringender, Wissen, Arbeit und Investitionen zu teilen“, sagt er. „Und genau das gelingt in der Rechtsform und Solidargemeinschaft der Genossenschaft optimal.“

Und was wünschen sich beide für die Zukunft? Baltes hat da eine klare Meinung: Deutschland sei beim Wein Importweltmeister. Über 50 Prozent der Weine würden eingeführt. „Die Profilierung des deutschen Weins muss deshalb besser werden“, sagt er. Marketing sei wichtiger denn je. Außerdem wünscht er sich mehr Unterstützung für den Steillagenweinbau. „Die Arbeit ist hier für die Winzer wirklich kein Zuckerschlecken, in erster Linie Handarbeit und deshalb sehr kosten- und arbeitsintensiv.“ Außerdem handele es sich beim Steillagenweinbau um ein einzigartiges, absolut förderungswürdiges Kulturgut, das ganze Landschaften, wie zum Beispiel im Ahrtal, präge. Kallfelz begrüßt, dass die EU-Politik die Zusammenschlüsse von Winzern fördere. „Allerdings wird es immer bürokratischer und lang-
wieriger, an die Fördertöpfe zu kommen. Das muss sich schnell ändern.“

Albert Kallfelz ist seit 2008 Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Wachtenburg Winzer, die mit ihren 200 Winzer-Vollerwerbsbetrieben auf 350 Hektar circa 20 Traubensorten in der Pfalz anbaut.

Winzergenossenschaft Mayschoss-Altenahr, www.wg-mayschoss.de
Gründungsdatum: 1868, älteste Winzergenossenschaft der Welt
Mitglieder: 420 Winzerbetriebe
Die drei am häufigsten angebauten Rebsorten: Spätburgunder, Frühburgunder, Riesling
Fläche: 150 ha im Ahrtal/Rheinland
Wein gesamt: 1,12 Millionen Liter
Weißwein: 25 Prozent
Rotwein: 75 Prozent

Wachtenburg Winzer, www.wachtenburg-winzer.de
Gründung: 1901
Mitglieder: 200 Winzerbetriebe
Die drei am häufigsten angebauten Rebsorten: Riesling, Spätburgunder, Grauburgunder
Fläche: 350 ha an der Weinstraße in der Pfalz
Weißwein: 21.000 Hektoliter
Rotwein: 110.000 Hektoliter


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