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Bundesland-Spezial Nordrhein-Westfalen | Veröffentlicht am 24.04.2018

Genosse Wald

Foto: Nöh/Technische Betriebe Remscheid

Die einzigartige und vielbeachtete Waldgenossenschaft in
Remscheid wächst und treibt auch andernorts Blüten.

Wälder sind wahre Wohltäter, ob für Menschen, Tiere, Pflanzen oder die Umwelt allgemein. In Remscheid haben engagierte Bürger den Spieß vor fünf Jahren umgedreht. Mit der Gründung der Waldgenossenschaft eG erweisen sie der grünen Lunge im Bergischen Land langfristig eine Wohltat. Denn die mittlerweile mehr als 200 Mitglieder kaufen sukzessive Kleinstparzellen an Wald auf, um sie zu schützen und nachhaltig zu nutzen. Das Modell macht Schule, zahlreiche Regionen interessieren sich für das vorbildhafte Projekt. Eine Entscheidung des Bundeskartellamtes könnte der genossenschaftlichen Waldidee künftig zu weiterem Wachstum verhelfen.
Um das Heute zu verstehen, bedarf es manchmal einer Reise in die Vergangenheit. Das ist auch bei der Waldgenossenschaft in Remscheid der Fall. Denn ihre Vorgeschichte reicht bis in die Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Damals wurden die privaten Wälder massiv zerstört, es herrschte extreme Brennholznot. Darauf haben vorausdenkende Stadtväter reagiert, 1947 den Forstbetriebsverband Remscheid gegründet und die privaten Waldflächen mithilfe städtischer Förster geordnet wieder aufgeforstet. Noch heute ist der Forstbetriebsverband mit seinen 680 Mitgliedern das organisatorische Dach aller privaten Waldbesitzer.

Erste Bürgerwaldgenossenschaft Deutschlands

Doch im Laufe der Jahrzehnte wurden diese aufgrund der im Rheinland üblichen Realteilungserbfolge (alle erben zu gleichen Teilen) immer zahlreicher, der Wald wiederum immer kleinteiliger und zerstückelter. „Viele Erben wohnen zudem nicht mehr in Remscheid, andere wiederum sind zeitlich und fachlich nicht in der Lage, sich angemessen um ihren Waldbesitz zu kümmern“, erklärt Markus Wolff. 2011 hat der städtische Forstdirektor gemeinsam mit ein paar engagierten Mitstreitern die Idee zur Gründung einer Waldgenossenschaft maßgeblich vorangetrieben. Denn neben der immer stärker werdenden Parzellierung bot sich ihnen in der direkten Nachbarschaft in Radevormwald zudem ein mahnendes Beispiel: Hier kauften „findige“ Investoren nach und nach kleine private Waldstücke auf, holzten sie ab und machten schnellen Profit. „Mit diesen Plünderungen hinterließen sie nichts als verbrannte Erde“, sagt Markus Wolff.

Auf der Suche nach dem passenden Konstrukt landeten die engagierten Remscheider Wald-Liebhaber unter anderem bei den im Siegerland weitverbreiteten „Haubergsgenossenschaften“. „Die Nachteile dabei waren jedoch, dass die Größe des Waldes genau definiert ist und die Anteile nach bestimmten Regeln zu vererben sind“, erklärt Markus Wolff. Schließlich entschieden sie sich für die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft. „Wir wollten einen forstlichen Urknall entwickeln und dafür sorgen, dass nicht nur die Waldfläche, sondern auch die Mitgliederzahl kontinuierlich wächst“, so der 51-Jährige. Zudem sollte das Modell eine starke Bürgerbeteiligung und -teilhabe ermöglichen. All diese Ziele vereint die Rechtsform einer eG in perfektem Maße.

Nach fast zweijährigem Planungsvorlauf war es am 14. März 2013 dann so weit: Zehn Gründungsmitglieder und 30 weitere Unterstützer hoben bei der Stadtsparkasse Remscheid die „Waldgenossenschaft Remscheid eG“ aus der Taufe. Das Erfolgsrezept dieser ersten und bis heute einzigen Bürgerwaldgenossenschaft in der Rechtsform einer eingetragenen Genossenschaft war unter anderem die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Wegbereiter. „Nicht nur Förster wie ich, die sich auch tagsüber mit der Materie beschäftigen können, sondern auch fachfremde Ingenieure, Banker, Anwälte oder Notare brachten sich und ihr Know-how intensiv ein“, so Markus Wolff. Ihr Ziel war und ist das gleiche: echte Partizipation und Information sowie das Werben für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, bei der Ökologie, Ökonomie und Soziales gleichrangige Prioritäten haben. Dies wird nicht nur gelebt, sondern ist in der Satzung auch fest verankert.

Foto: Nöh/Technische Betriebe Remscheid

Mitglieder aus ganz Deutschland

Die Resonanz auf die Bürgerwaldgenossenschaft jedenfalls ist fantastisch und größer, als die Initiatoren erwartet haben. Mittlerweile besitzen über 200 Mitglieder einen stetig wachsenden, mittlerweile 61 Hektar großen Bürgerwald. 660.000 Euro kamen schon zusammen, das macht 1.300 Anteile à 500 Euro. Das Kuriose: Der größte Batzen gehört Nicht-Remscheidern aus dem gesamten Bundesgebiet. „Dies ist der Tatsache geschuldet, dass wir mittlerweile viel Aufmerksamkeit erregt haben und zum Beispiel Greenpeace über uns berichtet hat“, erzählt Markus Wolff. Die meisten Genossen wollen aus ökologischen oder sozialen Gründen dabei sein, ohne einen wirtschaftlichen Nutzen zu erwarten. „Den versprechen wir auch gar nicht, wobei die Kapitalrendite derzeit bei ein bis drei Prozent liegt. Das macht Waldbesitz spannend, denn er bietet quasi eine natürliche Sicherheit“, meint der 51-jährige Förster. Die Waldgenossin mit den meisten Anteilen beispielsweise wohnt in Freiburg. Die gelernte und mittlerweile pensionierte Volkswirtin hat nicht nur Remscheider Wurzeln, sondern als Entwicklungshelferin in Ostafrika auch engen Kontakt zu Mikrogenossenschaften gehabt. „Als sie von unserem Projekt hörte, hat sie ihre 6,5 Hektar große Waldfläche in unsere Genossenschaft mit eingebracht“, berichtet Markus Wolff.
Im Laufe der vergangenen fünf Jahre ist viel passiert unter den Wipfeln von Remscheids Wäldern. Denn die Bürgerwaldgenossenschaft sorgt dafür, dass ihre Idee stetig Wurzeln schlägt. Sie lädt regelmäßig Schulklassen, Flüchtlinge oder Serviceclubs zu Baumpflanzaktionen ein, weist Biotop- oder Spechtbäume aus und veranstaltet Nistkastenaktionen. Zudem rückt sie die vielfältigen Leistungen des Waldes, die sogenannten Ökosystemdienstleistungen, ständig in den Fokus der Öffentlichkeit. So hat die vielfach veröffentlichte und diskutierte Remscheider Studie zur Inwertsetzung dieser Ökosystemdienstleistungen bereits zahlreiche Folgeprojekte auf den Weg gebracht.

Remscheider Modell ist vorbildlich

Damit Nachahmer genau wissen, wie man eine Waldgenossenschaft eG gründet, haben die Remscheider ein Handbuch darüber geschrieben. Entstanden ist die Idee dazu im Umweltministerium Nordrhein-Westfalen. Das fand das Modell so gut, dass es sogar 2,5 Hektar Staatswald in die Genossenschaft einbrachte. Seither ist nun auch das Land NRW ein Remscheider Waldgenosse. Und es will das Remscheider Modell künftig stärker in die Fläche tragen. Denn nicht nur Umweltschutz ist gefragt, sondern auch der Rohstoff Holz. „Dazu bietet unser Projekt, das auch Kleinstwald nachhaltig bewirtschaftet und mobilisiert, einen von zahlreichen Ansätzen“, sagt Markus Wolff. Diese Ansätze sind derzeit gefragter denn je. Denn das Bundeskartellamt hat die bisherige Waldbewirtschaftungspraxis vieler Staatsforstverwaltungen in Hinblick auf deren Betreuung des Privatwaldes als wettbewerbswidrig angesehen. Bis 2019 müssen daher die Bundesländer die Betreuung des privaten Waldbesitzes neu aufstellen. „Eine sehr spannende Zeit“, sagt Markus Wolff. Er und seine ehrenamtlichen Mitstreiter wünschen sich sehr, dass ihre Idee des Bürgerwaldes möglichst viele Nachahmer findet. Rückblickend sagt der gebürtige Eschweiler, der in Göttingen Forstwissenschaften studiert hat, schmunzelnd: „Man muss schon ein wenig positiv bekloppt sein. Aber es macht enorm Spaß.“


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