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Frisches Obst, Gemüse und Blumen für den Handel

Frisches Obst, Gemüse und Blumen für den Handel

Der Hamburger Großmarkt liegt günstig an Hafen, Hauptbahnhof und Autobahn. Norddeutschlands größtes Frischezentrum ist Umschlagplatz für Waren, die über den Einzelhandel, die Wochenmärkte und die Gastronomie weit über Hamburgs Grenzen hinaus auch in angrenzende Bundesländer und weiter bis nach Skandinavien und Osteuropa gelangen. Bei der Organisation des Marktes mit dabei sind auch Genossenschaften.

Nachts im Hamburger Stadtteil Hammerbrook, unweit von Hafencity und Hauptbahnhof: Geschäftiges Treiben herrscht in den Hallen des Großmarktes Hamburg. Zu den Marktzeiten zwischen 2 und 9 Uhr an sechs Nächten in der Woche wechseln Salatköpfe, Tomaten und Gurken in Paletten den Besitzer, ebenso Rosen oder Tulpen. Rund 1,5 Millionen Tonnen Waren werden hier jährlich gehandelt, mit einem Gesamtwert von 2 Milliarden Euro. Die Betriebszeiten, beispielsweise zur Anlieferung, sind 24 Stunden am Tag, an 365 Tagen im Jahr.
Allein in der Obst- und Gemüsehalle stehen inklusive Unter- und Zwischengeschoss knapp 100.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Dort ist die Großmarkt Hamburg Verwaltungs-Genossenschaft eG tätig. Sie vertritt 97 Prozent der marktansässigen Händler und deren Gemeinschaftsinteressen im Bereich Obst und Gemüse. Für Management und Verwaltung ist zwar ein Landesbetrieb der Freien und Hansestadt Hamburg zuständig, der bei der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation angesiedelt ist. Ihr gehören auch die Hallen. Die Genossenschaft als Zusammenschluss der Händler hat aber weitreichende Aufgaben: 1993 gegründet, nimmt sie unter anderem die Transportverpackungen zurück. Die damals eingeführte Verpackungsverordnung schreibt vor, dass Händler diese von den Kunden zurücknehmen müssen und entsprechend wiederverwenden oder -verwerten. Um das gemeinsam zu bewerkstelligen, haben die Großhändler damals die Genossenschaft gegründet.
Heute sorgt sie auch für die Reinigung der Großmarktflächen und entsorgt verderbliche Waren und anderen Abfall. Für das Recycling hat die Genossenschaft eine eigene Gesellschaft. Neben den Reinigungs- und Wartungsarbeiten im Gebäude und der Entsorgung von Abfällen pflegt die Großmarkt Hamburg Recycling GmbH so auch sämtliche Grünflächen des Geländes und sorgt für den Winterdienst. Zudem erledigt die Genossenschaft die Sicherheits- und Pfortendienste. Zusammen mit einem Gebäudedienstleister hat sie dazu die Großmarkt Hamburg Service GmbH gegründet, die täglich 24 Stunden im Schichtbetrieb im Einsatz ist. Pförtner sorgen für einen sicheren und reibungslosen Zugang zum Gelände, dazu kommen Marktaufsichtsdienste, die das Aufsichtspersonal des Landesbetriebs unterstützen. Außerdem stellen sie Sicherheitspersonal für Sonderveranstaltungen, die auf dem Gelände stattfinden. So ist der Großmarkt auch Schauplatz der jährlichen Harley Days mit 250.000 Besuchern. Über diese Aufgaben hinaus unterstützt die Genossenschaft regelmäßig auch die Marketingaktionen des Großmarktes mit Obstspenden und personell bei der Umsetzung. Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Conrad: „Mit der Genossenschaft ziehen wir Händler an einem Strang und leisten viele Dienstleistungen in Eigenregie.“ Conrad ist zugleich selbst Händler, er leitet ein Unternehmen für Fruchthandel.

Blumengroßmarkt in eigener Halle
Noch länger ist die genossenschaftliche Geschichte beim Blumengroßhandel. Zwar werden in den unter Denkmalschutz stehenden Hallen in Hammerbrook Obst und Gemüse bereits seit 1962 gehandelt, der Blumengroßmarkt hingegen zog erst 1984 von den Deichtorhallen hierin. Die Marktgemeinschaft Blumengroßmarkt Hamburg eG wurde allerdings bereits 1964 gegründet. Damals als Erzeugergemeinschaft, seit 1970 auch als Betreiberin des Blumengroßmarktes; erst noch am alten Standort, nun in Hammerbrook. Im Vergleich zu ihrem genossenschaftlichen Pendant in der Obst- und Gemüsehalle übernimmt sie noch weitere Aufgaben: Sie hat die Blumengroßmarkthalle mit fast 19.000 Quadratmetern Fläche, inklusive Büroräumen und Kühlräumen, komplett von der Stadt gemietet und vermietet die Standflächen an ihre Mitglieder. Alle Mieter eines Dauerverkaufsstandes oder eines Tagesstandes auf dem Blumengroßmarkt Hamburg sind Mitglied der Genossenschaft, die die Halle selbst verwaltet. „Wir sind ein privater Großmarkt auf städtischem Gelände“, sagt Klaus Bengtsson, Geschäftsführer Marketing bei der Marktgemeinschaft Blumengroßmarkt Hamburg eG.
14 Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Betrieb, wozu auch hier das Recycling von Materialien wie Kartonagen, Kunststoffen, Metallen, Holz und sämtlichen Bioabfällen gehört. 140 Mitglieder hat die Genossenschaft derzeit. Nicht jeder Stand ist aber immer besetzt: „Wer an einem Tag keine Ware zum Verkauf hat, kommt auch nicht“, klärt Bengtsson auf. Die Zahl der Mitglieder ist im Übrigen seit Jahren rückläufig. Bei der Gründung 1964 waren es noch fast 600. Die Zahl der Gärtnerbetriebe ging in Hamburg und Umgebung wie überall in Deutschland zurück. Die verbliebenen Mitglieder sorgen allerdings für einen weiterhin großen Betrieb in der Großmarkthalle. Ob Tulpen, Narzissen oder Rosen, in der Weihnachtszeit zudem Weihnachtssterne und immer mehr Christrosen: Jährlich werden hier Blumen im Wert von 75 Millionen Euro gehandelt.
Da gerade Schnittblumen frisch sein müssen, sind Wasserversorgung und Kühlung entscheidend. Bei rund zwei Millionen Kilowattstunden liegt allein der Stromverbrauch jährlich. Zusätzlich zum Handel in der Markthalle sorgt die Genossenschaft auch noch für einen Vertrieb außerhalb: Fachhändler und Großabnehmer können sich Waren auch direkt per Fachspedition liefern lassen, organisiert über das Vertriebsbüro der Genossenschaft. Der Blumengroßmarkt Hamburg ist so auch als Genossenschaft ein Erfolgsmodell: „Trotz der Tatsache, dass die Mitglieder auf dem Markt Wettbewerber sind, gibt es in der Genossenschaft einen großen Zusammenhalt und Gemeinsinn“, sagt Bengtsson. Ebenso wie in der benachbarten Obst- und Gemüsehalle.Marcell Haag


Führungen
Seit dem vergangenen Jahr gibt es auf dem Großmarkt auch Führungen für Privatpersonen durch die Obst- und Gemüsehalle. Die Führung beginnt an ausgewählten Tagen jeweils um sechs Uhr, dauert zwei Stunden und kostet zehn Euro pro Person. Weitere Informationen:
www.grossmarkt-hamburg.de/
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