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Wärme hausgemacht für ein ganzes Dorf

Fotos: Genossenschaft Baitzer Heizer

Baitzer Heizer: Aus einer Bierlaune entstand die Wärmeversorgung für ein ganzes Dorf.

Die Baitzer Heizer eG startete vor fast genau fünf Jahren mit der Planung eines eigenen Heizwerkes. Eigentlich ist die Genossenschaft im Heizungskeller bei einer Bierlaune und aus der Not entstanden: Die Ölpreise waren recht hoch. Die teils noch aus DDR-Zeit stammenden Ofen- und Schwerkraftheizungen sowie die kurz nach der Wende eingebauten Öl- und Gasheizungen in den Häuschen waren erneuerungsbedürftig. Jede Familie hätte geschätzt mindestens 10.000 Euro in die Erneuerung stecken müssen. Dietmar Bölke, der heute 64-Jährige, ist Vorstand und Gründungsmitglied der Baitzer Heizer im kleinen Ort Baitz.

Baitz, idyllisch gelegen am nördlichen Rand des Hohen Flämings, ist eines dieser normalen und unspektakulären Straßendörfer im Osten Deutschlands: mit gut 70 kleineren und größeren Häusern, einer Kirche, einer staatlichen Vogelschutzwarte für Großtrappen und einem Freizeithaus für Kinder. In Baitz leben etwa 170 Menschen. Früher – also zu DDR-Zeiten und in den frühen 1990er Jahren – schürten fast alle Baitzer ihren eigenen Heizkessel im heimischen Keller. „Hier besitzt jeder sein Stückchen Wald und dort hat sich auch all die Jahre jeder sein Brennholz geholt“, erinnert sich Dietmar Bölke. Auch er war einer der heimischen Haus-Heizer und holte sein Holz vom eigenen Grund und Boden. Doch 2014 kam das Aus für die heimischen Gliederkessel. Zu alt. Zu sanierungsbedürftig. Zu emissionsgeladen. Der Schornsteinfeger legte sie „lahm“. Auch – so Dietmar Bölke weiter – „ist man selbst in die Jahre gekommen. Der Holzeinschlag und das tägliche Anschüren gehen nicht mehr so leicht von der Hand.“ Viele der Jüngeren müssen tagsüber arbeiten; an Holzeinschlag und Heizen ist nicht zu denken. Auch die fast 30 Jahre alten Öl- und Gasheizungen durften absehbar nicht mehr betrieben werden.Vielleicht wäre Fernwärme eine Alternative gewesen. Doch eine Erdgasleitung liegt nicht unter dem Dorf.

Unabhängig von fossilen und importierten Rohstoffen

Also kamen die Männer Mitte 2013 mal wieder auf ein Feierabendbier in einen der Heizungskeller und diskutierten erst dies und das – und über eine zentrale Heizung für sie alle. „Wir überlegten, ob es sinnvoll ist, dass wir eine gemeinsame Anlage bauen. Wir könnten unser Restholz auch darin verbrennen. Vor allem müsste sich keiner allein um etwas kümmern: von Schornsteinfeger bis Wartung und Reparatur wären alle zuständig“, erzählt der agile Mann.

Gesagt, getan – so könnte die schnelle Bilanz nach nicht einmal fünf Jahren lauten. Kaum war die Idee ausgesprochen, wurde bereits 2014 die erste Machbarkeitsstudie aufgesetzt. Unterstützung bekamen die Baitzer von einem Ingenieurbüro aus dem nicht weit entfernten Bad Belzig. Das Büro ist auf regenerative Haustechnik spezialisiert und der Nutzung lokaler Energieträger wie Sonne, Wind und Holz oder Biomasse.
Der gemeinsame Plan: „Wir wollten keine höheren Kosten als mit dem Bau und Betrieb einer Ölheizung verursachen. Aber wir wollten möglichst weiterhin von importierten und fossilen Rohstoffen wie Kohle, Öl und Gas unabhängig bleiben. Damit blieb uns nur ein Weg: ein zentrales Heizwerk auf Hackschnitzelbasis.“ Glasklar sei auch gewesen, so Dietmar Bölke, der bei der Kreisverwaltung in der Wirtschaftsförderung arbeitet, „dass wir Fördermittel brauchen und je mehr im Dorf mitmachen, desto günstiger würde es für jeden werden.“ Damit wurde erst unmerklich und dann mit großen Schritten die neue Genossenschaft geboren. Aus dem Geplänkel beim Feierabendbier der drei bis vier Männer über eine eigene kleine Heizung auf einem der vier Höfe wurde erst eine größere Heizung für die ganze Straße und dann schnell ein Holz-Heizwerk für das ganze Dorf. „Noch waren wir aber nicht organisiert. Wir hatten nur unsere hochtrabenden Pläne, einige motivierte und interessierte Nachbarn und bald viele Familien im Dorf.“ Noch war aber unklar: Ist das umsetzbar und auch finanzierbar? „Wir wollten ja nicht die Katze im Sack kaufen.“

Damit war die Genossenschaft im Sommer 2014 geboren. Anregungen hatten sich die Baitzer in Süddeutschland geholt, bei einem fränkischen Bio-Energiedorf. Das Ingenieurbüro aus dem benachbarten Bad Belzig goss die Idee in ein machbares Konzept und der studierte Ökonom Dietmar Bölke lotste seine Genossenschaft erfolgreich durch den Dschungel der Fördertöpfe von Land und EU. Fast 70 Prozent der Gesamtkosten von rund 1,3 Millionen Euro konnten die Baitzer Heizer über verschiedene Förderungen finanzieren. Das waren insgesamt fast 850.000 Euro. Den Rest brachten die Genossen selbst über die eingezahlten Genossenschaftsanteile und über Kredite auf.

Der Bau des Heizhauses startete im März 2016 und war pünktlich zur Heizsaison – sechs Monate später – beendet. Dabei sparten die Genossen sogar noch gut: Der Landkreis Potsdam-Mittelmark hatte die Sanierung der Kreisstraßen extra vorgezogen. So wurden zeitgleich knapp 1,7 Kilometer Wärmerohre quasi problemlos bis an die Häuse verlegt. „Eine echte Zeit- und Geldersparnis“, attestiert Dietmar Bölke. Zumal der gesamte Ort als Bodendenkmal ausgewiesen ist und ein Archäologe gefühlt jeden Zentimeter der Bauarbeiten überwacht habe. Außerdem kann so auch heutzutage jeder neu interessierte Wärmekunde unkompliziert angeschlossen werden. Bereits 2019 kommen zu den bisher 25 Haushalten neun weitere hinzu.

Mit großem Tamtam wurde das neue computergestützte Heizhaus am 6. Oktober 2016 auf einem Grundstück kurz hinter dem Ortseingang eingeweiht. Um im Sommer nicht unnötig heizen zu müssen, wurde auf dem Dach eine 200 Quadratmeter große Solartherme installiert. Das Herzstück im Inneren: zwei Kessel mit einer Gesamtleistung von 750 Kilowatt und zwei Pufferspeichern mit je zwölf Kubikmetern. Nur zur Sicherheit wurden alle Anlagen doppelt ausgeführt. Falls mal etwas ausfällt, kann jederzeit die parallele Einheit übernehmen. Über eine Schubbodenanlage schaffen zwei Förderschnecken das Brennmaterial in zwei hochmoderne, emissionsarme Kessel, die das Wasser erwärmen und es mit 70 Grad ins Netz drücken.

Holz kommt aus dem eigenen Wald

Die Holzhackschnitzel lagern neben dem Heizhaus. Von hier aus rutschen sie, wie von Geisterhand bewegt, auf eine eiserne Schiene und danach zu den beiden Feuerkesseln im Heizhaus. „Hier muss keiner mehr schaufeln oder auf die Glut aufpassen. Nur die Aschebehälter müssen ab und an geleert werden“, erläutert Bölke.

Im Winter ergänzen sich Hackschnitzelheizung und Solartherme bestmöglich. Dazu ist das Heizhaus mit einer Wetterstation verbunden. Darüber werden Daten eingespeist, wann der Heizkessel heruntergeregelt werden muss, um die kostenlose Sonnenwärme auszunutzen. Zudem ist in jedem Haus eine Luftwärmepumpe installiert, die einspringt, wenn die Solartherme im Sommer nicht genügend Wärme liefert. Die Heizkessel haben außerhalb der Heizperiode Pause.

Das Holz zum Verbrennen holen die Baitzer Heizer nach wie vor aus den eigenen Waldbeständen. Das war eines der Hauptargumente für die Genossenschaft, sagt Dietmar Bölke. „Viele von uns haben eigenen Wald. Das Restholz sorgt für überschaubare Kosten für den jährlichen Verbrauch von rund 900 Schüttraummetern.“ Zusammen erzeugen Hackschnitzelheizung und Solartherme 800 Megawattstunden Wärmeenergie; 700 Megawatt liefert davon die Hackschnitzelheizung. Inzwischen sind 27 Baitzer als Genossen Mitglied plus das Ingenieurbüro und der Architekt. Die 29 Genossen beziehen jedoch nicht alle Wärme aus dem Heizwerk und auch nicht alle Wärmeabnehmer sind Genossen.

Die 29 Genossen sind von ihrer Genossenschaft absolut überzeugt: „Das Heizhaus machen wir ausschließlich für uns in Baitz. Wir wollen damit keinen Profit erzielen. Deshalb ist es gut, dass jeder Miteigentümer ist und mitbestimmen kann“, erklärt Dietmar Bölke. Er ist seit der Gründung einer von drei Vorstandsmitgliedern. „Der soziale Zusammenhalt ist durch die Genossenschaft nochmals stärker geworden.“ Einmal im Jahr feiert das Dorf gemeinsam ein Heizhausfest – „und zu dem kommen alle.“

Auch um die Zukunft des Heizhauses und somit der Genossenschaft müsse sich Baitz keine Sorgen machen. Die Anlage laufe komplett selbstständig. Es fallen keine Personalkosten an, Vorstand und Aufsichtsrat arbeiten ehrenamtlich. Außerdem seien genügend junge Leute im Dorf, die in einigen Jahren Vorstands- und Aufsichtsrats-Ruder selbst in die Hand nehmen könnten. Dietmar Bölke ist da sehr zuversichtlich.

Yvonne Reißig


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