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Bundesland-Spezial Berlin-Brandenburg

Von Visionären, Planern und Wegbereitern

Fotos: Johannes Sichter, Thomas Krahl (Planergemeinschaft eG)

Hier läuft alles mit und nach Plan: Ein kreatives Kollektiv treibt in Berlin neue Konzepte und Ideen voran. Die „Planergemeinschaft für Stadt und Raum“ ist als Genossenschaft bundesweit einzigartig. Außergewöhnlich sind auch ihre Projekte – sie reichen vom Standortmanagement für die ehemalige Stasi-Zentrale bis zur Erarbeitung eines innovativen Schulentwicklungsplans.


30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, rund 60 verschiedenste Projekte im Jahr: Diese Genossenschaft steckt per se voller neuer Pläne. Seit ihrer Gründung vor rund acht Jahren baut die Planergemeinschaft für Stadt und Raum auf gemeinschaftliches Handeln und Denken. Die eG hat sich längst zu einer festen Größe in Berlin entwickelt, davon zeugen etliche Aufträge, zumeist von öffentlicher Hand. Die Referenzliste ist lang, das Leistungsspektrum groß – es reicht von der Stadt- und Quartiersentwicklung über Bauleitplanung und Standortmanagement bis hin zu Beteiligungsprozessen. „Alles hat mit der Stadt und der Entwicklung der Stadt auf unterschiedlichsten Ebenen zu tun“, bringt es Christel Weller, geschäftsführende Vorständin, auf den Punkt.
Das interdisziplinäre Team setzt auf erfolgreiche Weiterentwicklung: Raum- und Städteplaner, Architekten, Landschaftsplaner, Politologen, Soziologen, Historiker sowie kaufmännische Mitarbeitende ziehen alle an einem Strang. „Jedes Mitglied unseres Teams zählt – mit seiner Stimme, seinem Wissen und seiner Erfahrung“, betont Christel Weller. Eine Planungsgemeinschaft als Genossenschaft: Das ist hierzulande einmalig. „Viele Planungsbüros leiden unter einer großen Nachfolgeproblematik“, berichtet die geschäftsführende Vorständin, „wir jedoch haben dieses Problem für uns nachhaltig gelöst.“
Belegschaft übernahm das Büro

Denn die anstehende Unternehmensnachfolge des Büros brachte vor Jahren die Belegschaft auf den Plan: Als die damaligen Eigentümer in den Ruhestand gehen wollten, loteten die Angestellten diverse Möglichkeiten zum Generationswechsel aus. Dabei wurde klar: „Wir wollten das Büro gemeinsam fortführen“, so Christel Weller, „dafür haben wir unterschiedliche Rechtsformen geprüft.“ Mit einer genossenschaftlichen Lösung wurden die Mitarbeiter selbst zu Eigentümern. Am 1. April 2012 ging die Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG mit ihrem Büro an den Start.
Dafür leistete das heutige vierköpfige Vorstandsteam zuvor nicht nur Überzeugungsarbeit: Es brachte die gemeinschaftliche Idee ans Laufen, holte 16 Angestellte mit ins Boot und begab sich mit ihnen auf Übernahme-Kurs. „Alle haben sich engagiert eingebracht“, berichtet Weller rückblickend: „An unserer Seite hatten wir ebenso den Genossenschaftsverband, der uns begleitet und unterstützt hat.“

Mit Herzblut im Einsatz

Aus der Genossenschaft ist seither vieles er- und gewachsen. Sie verjüngt sich selbst ständig, unter den heute 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern finden sich 26 Miteigentümer. „Familienmenschen“ sind hier ausdrücklich willkommen. Individuelle Arbeitszeitmodelle erleichtern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das Füreinander steht hoch im Kurs – genauso wie große Qualitätsansprüche.
So unterschiedlich die Projekte auch sind: „Ein jedes liegt uns am Herzen“, sagt Christel Weller. So hat sich das Büro zum Beispiel auch mit etlichen Infrastrukturstudien einen Namen gemacht. Erst kürzlich hat die Planergemeinschaft einen in Berlin einzigartigen Schulentwicklungsplan für den Bezirk Lichtenberg erarbeitet, der auf einer datenbankbasierten, neuen Methodik fußt. „Damit kann der Bezirk selbst seinen Plan jährlich fortschreiben, seinen Bestand, Schülerentwicklungs-Prognosen und vieles mehr einpflegen“, erläutert sie. Die Genossenschaft bringt verschiedenste Lösungen und Konzepte auf die Schiene – und das wortwörtlich. Aktuell begleitet sie sechs Straßenbahn-Neubauvorhaben und führt Beteiligungsprozesse wie Bürgerdialoge durch.
Die Projekt-Palette der eG ist äußerst vielfältig. Das zeigt sich auch beim Standortmanagement für das Areal des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Das 76.000 Quadratmeter große Gelände soll – so das Vorhaben des Bundes und des Landes Berlin – zu einem Lern- und Erinnerungsort, zu einem „Campus der Demokratie“ entwickelt werden. Seit Sommer 2018 ist die Planergemeinschaft als Dienstleisterin der Senatsverwaltung im Einsatz, um Planungsabsichten und künftige Nutzungsmöglichkeiten in den Bereichen Bildung oder etwa Kunst in den Entwicklungsprozess strategisch zu integrieren.
„Wir bespielen dabei ein breites Feld“, erläutert Christel Weller die Aufgaben: „Es geht in erster Linie darum, dass wir in unterschiedlichen Formaten die Beteiligten an einen Tisch bringen und erfragen, wohin konkret die Reise gehen soll.“ So werden beispielsweise bei von ihnen organisierten Standortkonferenzen mit interessierten Bürgern neue Ideen gesammelt und diskutiert – und danach vom Planungsbüro weiterentwickelt und in Konzepte überführt. Mitmachen ist bei solchen Beteiligungsprozessen Trumpf. Das gilt auch für die Planergemeinschaft selbst, die vom Mitgestalten und starken Miteinander lebt.


Anja Pieper

Blick auf die ehemalige Stasi-Zentrale in Berlin

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