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Aus dem Verband

„Unsere Stärken liegen im direkten Kontakt und der Fokussierung auf die Schaffung von Mehrwerten“

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Mehr als 660 Handwerks-, Handels- und Dienstleistungsgenossenschaften mit rund 290.000 Mitgliedern gehören dem Genossenschaftsverband – Verband der Regionen an. Genossenschaften finden sich überall: traditionell im Handwerk und in anderen mittelständischen Strukturen, zunehmend aber auch bei freien Berufen oder in der Daseinsfürsorge vor Ort. Bei den Herausforderungen für die Zukunft unterstützt auch der Genossenschaftsverband. Interview mit Rudolf H. Saken, Vorsitzender des Fachrates Gewerbliche Ware. 5. Teil der Serie mit Interviews der Fachratsvorsitzenden.


Was sind die aktuell größten Herausforderungen für die gewerblichen Genossenschaften?

Rudolf H. Saken: Die gewerblichen Genossenschaften sind permanent herausgefordert, sich einer rasant und ständig verändernden Welt zu stellen. Zu diesen aktuellen Herausforderungen zähle ich sicherlich zu allererst die Digitalisierung, aber auch das Thema Demografie mit dem zunehmenden Fachkräftemangel oder der Nachfolgeproblematik. Auch die politischen Unwägbarkeiten wie der „EU-Brexit“, die Integration von Zuwanderern – dies auch als Chance für den Mittelstand –, eine flächendeckende Breitbandversorgung und schließlich die Schaffung einer sinnvollen und wirtschaftlich tragfähigen Energiewende sind große und aktuelle Herausforderungen.


Wo liegen die Stärken der gewerblichen Genossenschaften und auf welchen Gebieten müssen sie sich für die Zukunft weiterentwickeln?

Die Stärke der gewerblichen Genossenschaft basiert auf einer auf Nachhaltigkeit angelegten kooperativen Zusammenarbeit zwischen Mitglied und Genossenschaft. Die Mitglieder profitieren unmittelbar von den Leistungen ihrer Genossenschaft. Die Stärken der Genossenschaften liegen ferner im direkten Kontakt und der Fokussierung auf die Schaffung von Mehrwerten für die Mitglieder. Ihre Stärken sind tiefe, realwirtschaftliche, festverwurzelte und vernetzte Branchenkenntnisse.
Die gewerblichen Genossenschaften müssen und werden sich den Herausforderungen der digitalen Transformation durch eine geeignete Strategie und Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle stellen müssen. Zu den wichtigsten ökonomischen Entwicklungen der Gegenwart zählt aber auch der zunehmend spürbare Fachkräftemangel. Genossenschaften brauchen dringend hochqualifizierte Mitarbeiter, um ihr Geschäftsmodell zu sichern und dieses für die Zukunft aufzustellen. Viele Genossenschaften stehen dabei vor einem Generationenwandel; dies betrifft gerade auch die vielen ehrenamtlich geführten Genossenschaften.

Wie verstehen Sie Ihre Rolle als Fachratsvorsitzender?

Als Fachratsvorsitzender sehe ich mich als Bindeglied sowie Katalysator und auch Beschleuniger für die Themen und Belange der gewerblichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften im Genossenschaftsverband – Verband der Regionen e. V.
Die Fachratsarbeit ist wichtig, damit der Verband erst die Chance erhält, die richtigen Themen auszusuchen, und seine Interessenpolitik ebenso wie sein Leistungsspektrum insgesamt zielgerichtet an den Bedarfen seiner Mitglieder ausrichten kann.


In welchen Bereichen kann der Genossenschaftsverband – Verband der Regionen die gewerblichen Genossenschaften noch stärker unterstützen und was wünschen Sie sich für die zukünftige Zusammenarbeit?

Ich verstehe den Verband als Dienstleister und Interessenvertreter sowie Vordenker für seine Mitglieder. Sein Ziel sollte sein, die Mitglieder bestmöglich zu unterstützen, damit diese an ihren Märkten heute und auch in der Zukunft erfolgreich sind.
Wesentlich in diesem Zusammenhang ist aus meiner Sicht, dass der Verband neben der Etablierung entsprechender Netzwerkplattformen und der Differenzierung seiner Leistungsangebote stets die regionale Nähe zum Mitglied gewährleistet. Daher begrüße ich es, dass das bewährte Mitgliederberatungs- und -betreuungskonzept mit seinen festen Ansprechpartnern weiter etabliert wird. Gerade für einen großen Verband ist es das Gebot der Stunde, neben seinen bewährten Standarddienstleistungen mehr Spezialdienstleistungen anzubieten – vor allem in den Zukunftsthemen wie zum Beispiel Digitalisierung und strategische Geschäftsmodelle. Aber auch bei der Nachwuchsgewinnung, der Rekrutierung von Fach- und Führungskräften sowie der Weiterqualifizierung der Mitarbeiter wünsche ich mir Unterstützung und Impulse durch den Verband.
Um diesem Anspruch gerecht zu werden und diese Leistungen gegenüber den Mitgliedern noch transparenter zu machen, könnte ich mir eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Beratung und Betreuung durch den Aufbau von Leistungs- und Kompetenzzentren vorstellen sowie eine weitere Schärfung des Leistungsportfolios.
Ich bin daher erfreut zu sehen, dass sich der Verband mit dem aktuellen Beratungs- und Betreuungsansatz bereits auf dem richtigen Weg befindet, das Mitglied in den Mittelpunkt stellt und ein starker, verlässlicher Partner ist.

Rudolf H. Saken ist Sprecher des Vorstandes der GFT Gemeinschaft Fernmelde-Technik eG, eines Unternehmensverbundes von rund 200 mittelständischen Systemhäusern der Telekommunikationsbranche. Im Genossenschaftsverband – Verband der Regionen engagiert er sich als Vorsitzender des Fachrates der Fachvereinigung der gewerblichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften sowie als stellvertretender Vorsitzender des Verbandsrates.

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