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Aus dem Verband | Veröffentlicht am 27.02.2018

"Solidarität ist ein Schlüsselwort der christlichen Soziallehre"

Foto: Bistum Münster

Kirche und Genossenschaften: Hier gibt es ethisch und historisch enge Bezüge und viele gemeinsame Unternehmensgründungen, wie zum Beispiel die genossenschaftlichen
Kirchenbanken. GENiAL sprach darüber mit dem Bischof von Münster Felix Genn im Vorfeld des Katholikentags im Mai.

Herr Bischof Genn, der Katholikentag ist 2018 in Münster zu Gast. Auf was freuen Sie sich besonders?

Persönlich freue ich mich vor allem auf die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen. Und ich freue mich schon jetzt – weil ich mir sicher bin, dass es so sein wird -, dass viele Menschen das Bistum Münster als einen wunderbaren und gastfreundlichen Gastgeber des Katholikentags erleben werden. Natürlich freue ich mich auch ganz besonders auf die gottesdienstlichen Feiern und auf die Wallfahrt nach Telgte, zu der wir als Bistum Münster am Samstag, 12. Mai einladen werden. Schließlich freue ich mich darauf und halte es auch für sehr wichtig, dass wir beim Katholikentag in Münster ein Zeichen setzen werden für Frieden, Nächstenliebe und Menschenwürde – über alle Grenzen, Konfessionen und Religionen hinweg. Gewalt, Terror, Fremdenfeindlichkeit und dumpfe Parolen – das wird die Botschaft des Katholikentags sein – werden nicht das letzte Wort haben.

2018 steht aus genossenschaftlicher Sicht ganz im Zeichen des 200. Geburtstags Friedrich-Wilhelm Raiffeisens. Wird der Katholikentag, der im Mai in Münster stattfindet, auch genossenschaftliche Themen aufgreifen?

Felix Genn: Zunächst möchte ich sagen: Ich freue mich sehr, dass einige Genossenschaften den Katholikentag tatkräftig unterstützen, auch finanziell. Fünf Genossenschaftsbanken beteiligen sich auch mit einem Stand auf der Kirchenmeile. Ich denke mir, dass dort auch die Ideen Raiffeisens eine Rolle spielen. Insgesamt gibt es beim Katholikentag rund 1.000 Veranstaltungen. Ohne dass ich da jetzt ins Detail gehen kann, ist es schon aufgrund der Anzahl klar, dass dabei auch genossenschaftliche Themen aufgegriffen werden. Denken Sie nur an Themen wie Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. Das betrifft etwa die Möglichkeiten und Perspektiven im ländlichen Raum, das selbstständige Wohnen im Alter, das Miteinander der Generationen oder das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung.

Wo sehen Sie die Verbindung zwischen katholischer Soziallehre und den Ideen der Genossenschaftsgründer Raiffeisen und Friedrich Schulze-Delitzsch?

Friedrich Wilhelm Raiffeisen erkannte als Bürgermeister einer Kleinstadt im Rheinland die Nöte der Bauern und Handwerker, die günstige Betriebskredite benötigten. Auf seine Initiative hin wurde 1864 die erste ländliche Spar- und Darlehenskasse auf genossenschaftlicher Basis gegründet. Die Idee der Genossenschaft steht für Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung.

Diese solidarische Grundhaltung ließ eine Kultur der gegenseitigen Verantwortung und der Nachhaltigkeit des Geschäftsbetriebes entstehen. Das sind Traditionen und Wertevorstellungen, die sich auch in der katholischen Soziallehre wiederfinden. Egoismus und Gier passen nicht zu einer Genossenschaft. Und die Soziallehre der Kirche akzeptiert nicht, dass „die Gewinne allein dem gehören sollen, der produziert, und dass die soziale Frage dem Staat, den Hilfsorganisationen und den Freiwilligendiensten überlassen wird“. Genau aus diesem Grund ist das Wort Solidarität ein Schlüsselwort der Soziallehre.

Foto: Bistum Münster

Die Kirchenbanken sind durchweg genossenschaftlich organisiert. Warum?

Beim Konzept der Kirchenbanken geht es um eine solidarische Ökonomie, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht. Ihr Anspruch sollen die Prinzipien der katholischen Sozialethik sein: Personalität, Subsidiarität, Solidarität und Nachhaltigkeit. Papst Benedikt XVI. forderte in „Caritas in Veritate“ (2009) eine Reform des Finanzwesens und stellt das Modell der Kreditgenossenschaften als Beispiel einer gerechten Wirtschaftlichkeit dar. Damit würdigte der Papst ausdrücklich die Geschäftsphilosophie der Genossenschaftsbanken, deren vorderstes Ziel die wirtschaftliche Unterstützung ihrer Mitglieder ist und nicht die Gewinnmaximierung.

Genossenschaftliche Kirchenbanken sind somit auch Ausdruck einer Verantwortungsgesellschaft. Diese Banken kennen ihren Markt und können ihr Wissen bei Produkten und Dienstleistungen nutzbringend einsetzen. Der Wissensvorteil kann zum Beispiel bewirken, dass Kreditanfragen besonders gut eingeschätzt werden können oder eine Vernetzung, ein Know-how-Transfer der Kunden und Mitglieder untereinander durchgeführt werden kann. Bei den Kirchenbanken ist also nicht der „Shareholder-Value“, der Vermögenszuwachs von Aktieninhabern, das Unternehmensziel. Vielleicht kann man das Ziel eher als einen „Member-Value“, bezeichnen, einen Nutzen, den die Mitglieder aus der Leistung der Genossenschaft beziehen.

Kirchliche Genossenschaftsbanken sind zwar nicht unabhängig von Kapital, sie sind aber vor einer „kapitalistischen“ Einflussnahme weitgehend geschützt, da jedes Mitglied unabhängig von seinem Kapitalanteil immer nur eine Stimme hat. Somit können ein oder wenige Kapitaleigner keine individuellen und ertragsgesteuerten Interessen durchsetzen. Nicht zuletzt hat diese Konstruktion der Interessenwahrung und gleichberechtigten Mitbestimmung der Mitglieder dafür gesorgt, dass die genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken und damit auch die Kirchenbanken von der Bankenkrise der vergangenen Jahre deutlich weniger betroffen sind.

Katholische Pfarrer waren im 19. Jahrhundert die Treiber von Genossenschaftslösungen als Antworten auf die Herausforderungen der ländlichen Gesellschaften. Auch heute stehen die ländlichen Räume vor großen Umbrüchen. Ist es denkbar, dass die katholische Kirche beziehungsweise ihre Laienbewegung wieder Trägerin umfangreicher Gründungsinitiativen wird, vom Dorfladen über die Seniorengenossenschaft bis hin zur Breitbandgenossenschaft?

Der Genossenschaftsgedanke ist heute aktueller denn je. Seit Ende 2016 zählt die Genossenschaftsidee zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe. Seit 2007 gibt es aufgrund einer gesetzlichen Neuregelung in Deutschland einen Gründungsboom mit mehr als 2.000 genossenschaftlichen Neugründungen bundesweit.

Ich denke, dass klassische Werte wie eine neue Bereitschaft zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung, die Beachtung einer nachhaltigen Entwicklung und solidarisches Handeln mit dafür verantwortlich sind. Das führt zu einer Wiederentdeckung jener Gemeinschaftsunternehmung, der Genossenschaft, die beides unter einen Hut bringt: Wirtschaftlichkeit und Solidarität. Eine Genossenschaft
ist ein Gegenentwurf zu Unternehmen, die auf bestimmte Marktentwicklungen spekulieren, und passt somit zu dem dauerhaft angelegten Geschäftsmodell für Unternehmungen, die sich an der katholischen Soziallehre orientieren wollen.

Über Felix Genn, Bischof von Münster

Felix Genn wurde 1950 im rheinland-pfälzischen Burgbrohl geboren und wuchs in Wassenach in der Nähe der Benediktinerabtei Maria Laach am Laacher See auf. Nach dem Theologiestudium und der Priesterweihe war er zunächst bis 1978 Kaplan in Bad Kreuznach und arbeitete anschließend als stellvertretender Leiter, danach als geistlicher Begleiter (Spiritual) am Bischöflichen Priesterseminar in Trier in der Priesterausbildung. Nach seiner Promotion wurde er 1994 Leiter der Trierer Heilig-Rock Wallfahrt. Von 1997 bis 1999 leitete er das überdiözesane Seminar zur Priesterausbildung St. Lambert Lantershofen. 1999 wurde er zum Weihbischof im Bistum Trier berufen, 2003 zum Bischof von Essen. Seit 2009 ist Felix Genn Bischof von Münster.


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