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Aus dem Verband | Veröffentlicht am 11.09.2018

Risikomanagement für die Milchbranche wird immer wichtiger

GENiAL sprach mit dem Milchexperten Professor Dr. Holger D. Thiele von der Fachhochschule Kiel über die Abschaffung der Milchquote, die Trends auf dem Weltmarkt und darüber, wie viel die Milchwirtschaft selbst zur Vorbeugung von Krisen leisten kann.

Der Milchexperte Holger Thiele ist Professor für Agrarökonomie und Statistik an der Fachhochschule Kiel im Fachbereich Agrarwirtschaft. Außerdem ist er Geschäftsführer des ife Instituts für Ernährungswirtschaft in Kiel.

2015 hat die Europäische Union die Milchquote abgeschafft. War das richtig?

Thiele: Ja, das war aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive absolut richtig. Hier ist sich auch die Wissenschaft in der Europäischen Union einig: Die Quote hat das Wachstum der Milcherzeuger verteuert, der administrative Aufwand war sehr hoch. Es gab viele Rechtsstreitigkeiten, vielfach wurde das EU-Milchquotenrecht geändert. Letztlich hat auch die Milchquotenregelung Preiskrisen wie zum Beispiel im Jahr 2009 und 2012 nicht verhindern können. Doch bei aller berechtigten Kritik an der Milchquote: Sie hatte auch etwas Gutes. Dadurch waren Mengenplanungen für alle Marktbeteiligten einfacher.
Die Milchproduktion konnte jedoch durch die Milchquote nur sehr begrenzt an die günstigsten Standorte für die Milcherzeugung in Europa wandern. Dies ist angesichts vieler neuer Herausforderungen im Bereich Nachhaltigkeit, GVO-freie Fütterung, Tierwohl etc. wichtiger denn je. Denn alle diese Punkte erhöhen die Kosten der Milcherzeugung, sollten aber trotzdem zu bezahlbaren Preisen für die Milchkonsumenten führen.
Es hat sich in der jüngsten Vergangenheit gezeigt, dass der Staat in Preiskrisensituationen statt der starren Milchquote auch neue gesamtwirtschaftlich günstigere Instrumente einsetzen kann. Dazu gehören Herauskaufprogramme beziehungsweise freiwillige Mengenreduzierungen, die kurzfristig wirken. Im Zuge der letzten Milchpreiskrise 2015/16 haben zum Beispiel EU und Bundesregierung freiwillige Verringerungsmaßnahmen für
Milcherzeuger mit Entschädigungszahlungen angeboten. Auch diese Programme haben ihre Schwächen, sind aber im Vergleich zu Zwangsmaßnahmen und verbindlichen Mengenreduzierungsprogrammen gesamtwirtschaftlich vorteilhaft.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach der Milchmarkt bis 2020 entwickeln?

Die bisherigen Trends werden sich vermutlich fortsetzen: also weiter leicht steigende Weltmarktpreise für Milch sowie weitere Nachfrage- und Angebotssteigerungen weltweit. Ich vermute, dass diese Trends leider einhergehen mit weiterhin großen Schwankungen im internationalen Angebot sowie der Nachfrage und damit in den Milchhandelsmengen und -preisen. Extremwetterereignisse nehmen weltweit zu, dadurch verändern sich kurzfristig Angebotsmengen für Milch und schlagen sich in hohen Preisausschlägen nieder. In Europa spielen zunehmende Auflagen für die Milchviehhaltung und Flächenkosten eine immer wichtigere Rolle und dürften die Angebotssteigerungen eher schmälern. Ein aktuelles Beispiel für ansteigende Flächenkosten der Milcherzeugung in Deutschland ist die derzeitige Anpassung an die neue Düngeverordnung. Der Milchmarkt bietet aber nach wie vor viele interessante Chancen für die milchwirtschaftlichen Unternehmen. Allerdings gehört nach meiner Überzeugung ein effizientes Risikomanagement zu den wichtigen Managementaufgaben in der Milchbranche der Zukunft dazu.

Was können die Molkereien selbst tun, um einer erneuten Milchmarktkrise vorzubeugen und negative Effekte abzufedern?

Vorbeugung – dies wird immer wichtiger. Denn EU und Bundesregierung betonen zu Recht, dass in Krisensituationen nicht immer nur der Staat einspringen kann. So soll die Milchwirtschaft selber Vorsorge tragen, um Mengenausweitungen ihrer Milchlieferanten in Krisenzeiten zu begrenzen und dadurch weiteren Preisdruck zu mindern. Allerdings geht das nur teilweise: Eine Molkerei kann ja nicht den Milchpreis der gesamten Branche steuern. Beide Marktpartner – Milcherzeuger und Molkereien - sind Preisnehmer. Sie können allein nicht die Marktpreise beeinflussen, sondern reagieren in der Anpassung der Milcherzeugungs- und Milchverarbeitungsmengen.
Grundsätzlich sind für jede Molkerei Mengenplanungen und -steuerungen betriebswirtschaftlich sinnvoll. Jede Molkerei muss Anreize schaffen, die zu verlässlichen Mengenplanungen für die Molkerei führen. Dies kann durch finanzielle Anreize unterstützt werden. Restriktivere Ansätze zur Mengensteuerung sind dagegen schwer umsetzbar und sehr individuell. Was für eine kleinere, in einer Nische vermarktende oder spezialisierte Molkerei sinnvoll ist, ist nicht automatisch richtig für eine größere, breit aufgestellte Molkerei mit Standardprodukten. Außerdem bedingen Ansätze zur molkereispezifischen Milchmengensteuerung auch immer Umverteilungseffekte zwischen den verschiedenen Milchviehbetrieben, zum Beispiel Wachstums- und Stagnationsbetrieben, kleineren und größeren Betrieben. Bei genossenschaftlichen Molkereien ist dabei auch immer das Mitgliedervotum ausschlaggebend. Und dies ist wiederum von den Interessenlagen der verschiedenen Lieferantengruppen abhängig. Betriebsindividuell muss deshalb jede Molkerei prüfen, ob verschiedene Steuerungsmodelle wie zum Beispiel Festpreismodelle, A/B-Preismodelle, kurzfristige A/B-Krisenmodelle oder flexiblere Liefermodelle geeignet sind und von den Milcherzeugern mehrheitlich mitgetragen werden.


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