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Aus dem Verband | Veröffentlicht am 05.03.2021

Nachhaltigkeitstransformation: Regionale Akteur*innen begleiten

Siegfried Mehring

Beim Bankentag NRW stand die nachhaltige Transformation der Wirtschaft im Mittelpunkt. Was bedeutet das konkret für die Genossenschaftsbanken und ihre unternehmerische Kundschaft? GENiAL sprach mit Siegfried Mehring (stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbandes), Dr. Andreas Bons (selbstständiger Landwirt und Aufsichtsrat der Volksbank an der Niers eG) sowie Johannes Janhsen (Vorstand der Volksbank an der Niers eG).

Herr Mehring, die ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltige Transformation der Wirtschaft gewinnt an Bedeutung. Besonders relevant ist aktuell der europäische „Green Deal“, wie auf dem zweiten Bankentag NRW deutlich wurde. Welche Rolle spielen die Kreditgenossenschaften bei der Umsetzung?

Siegfried Mehring: Volksbanken und Raiffeisenbanken sind als regionale Dienstleister in die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen in ihren jeweiligen Geschäftsgebieten integriert und sie haben einen genossenschaftlichen Förderauftrag. Daher haben sie ein besonderes Interesse, Unternehmen auf dem Weg der Nachhaltigkeitstransformation zu begleiten. Da sie ihre Kundschaft und ihr Marktumfeld gut kennen, treffen sie verlässliche Finanzierungsentscheidungen. Als Hausbanken sind sie zudem direkte Ansprechpartner für die Vergabe der Mittel, die die Politik über öffentliche Förderinstitute zusagt, um Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen. Damit spielen sie eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung von nachhaltigen Investitionen.

Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit die nachhaltige Transformation gelingt – auf Unternehmens- und auf Bankenseite?

Siegfried Mehring: Die Genossenschaftsbanken bringen schon jetzt sehr gute Voraussetzungen mit, um die Transformation in Richtung Nachhaltigkeit zu meistern. Und viele sind bereits eine große Wegstrecke gegangen. Das gilt übrigens auch für unsere Mitglieder aus anderen Branchen, denen wir als Verband über unsere AWADO Gruppe Beratungsleistungen anbieten.
Wichtig ist aber auch die Politik. Sie muss angemessene Rahmenbedingungen für langfristig tragfähige Investitionen in die Transformation schaffen. Hierzu gehört Planungssicherheit ebenso wie ein Verzicht auf zu enge Zeitpläne und übermäßige Bürokratie, wie die kreditwirtschaftlichen Verbände auf dem Bankentag NRW deutlich machten.

Dr. Andreas Bons

Herr Dr. Bons, Sie sind landwirtschaftlicher Unternehmer am Niederrhein und Aufsichtsratsmitglied der Volksbank an der Niers eG. Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, damit die Transformation die Unternehmen nicht überfordert?

Dr. Andreas Bons: Als Unternehmen brauchen wir insbesondere Planungssicherheit, doch diese fehlt in vielen Bereichen. In der Landwirtschaft werden Investitionen mit einem langen Zeithorizont getätigt. Politische Entscheidungen dagegen erfolgen oft kurzfristig. Das kann dazu führen, dass Betriebe doppelt und dreifach investieren müssen. Eine zusätzliche Herausforderung stellen die vielen Verordnungen und Vorgaben dar, die für kleinere Unternehmen kaum noch zu bewältigen sind. Landwirtschaftliche Großbetriebe haben dafür eigenes Personal. Als kleiner Unternehmer muss ich die vorgeschriebenen Dokumentationen abends oder am Sonntagmorgen erledigen.

Herr Janhsen, wie sind Ihre Erfahrungen als Vorstand der Volksbank an der Niers?

Johannes Janhsen: Selbstständige Unternehmer*innen sind der Schlüssel zur Transformation. Sie tragen Verantwortung, sind eingebunden in die sozialen Netzwerke der Region und leben in der Region, in der sie wirtschaften. Diese Unternehmer*innen sollten wir daher besonders stärken. Der Abbau von unnötiger Bürokratie ist ein erster wichtiger Schritt. Aus Sicht der Kreditwirtschaft ist zudem die von Dr. Bons angesprochene Planungssicherheit unverzichtbar. Bei der Vergabe von Krediten kommt es auf die Kapitaldienstfähigkeit an und diese setzt tragfähige Geschäftsmodelle voraus. Wenn eine Investition, für die ein Abschreibungszeitraum von zehn Jahren vorgesehen ist, bereits nach zwei Jahren abgeschrieben werden muss, weil sich die Politik ändert, haben wir ein Problem. Gelingt es uns aber, Planungssicherheit herzustellen, werden wir wesentliche konjunkturelle Impulse generieren. Denn: Nachhaltigkeit wird über Investitionen in Technik, Digitalisierung, Organisation und Prozesse erreicht – und von einem solchen Investitionsschub profitieren wir alle.

Herr Dr. Bons, Hürden gibt es nicht nur beim Thema Investitionen. Ist die nachhaltige Transformation ein Selbstläufer, was die Kundennachfrage betrifft?

Dr. Andreas Bons: Leider nein. Meine Erfahrung ist, dass nachhaltig erzeugte landwirtschaftliche Produkte mit guter CO2-Bilanz oft wie Blei in den Regalen liegen, während die Palette mit den Billigprodukten im Discounter immer leer ist. Eine an Nachhaltigkeitszielen ausgerichtete Wirtschaftspolitik darf nicht zur Folge haben, dass im Inland nur noch Produkte erzeugt werden können, die auf geringes Kaufinteresse stoßen – und dabei mit Produkten aus anderen Regionen der Welt konkurrieren müssen, die weniger strengen Standards unterliegen. Es muss uns also gelingen, die nachhaltig erzeugten Produkte besser in der Öffentlichkeit darzustellen und zu fördern. Subventionen dürfen dabei nicht zur Dauerlösung werden.

Herr Janhsen, Ihre Sicht auf Subventionen?

Johannes Janhsen: Subventionen stellen eine Möglichkeit dar, die Folgen einer politisch angestrebten nachhaltigen Transformation abzufedern und Lücken zwischen Markt und Politik temporär zu schließen. Sie dürfen jedoch nur sehr gezielt und punktuell für konkret definierte politische Ziele eingesetzt werden. Ich stimme Dr. Bons zu: Zur Dauerlösung dürfen sie nicht werden. Auf lange Sicht ist eine Politik erforderlich, die die Verbraucher*innen mitnimmt, damit auf Subventionen bei der Umsetzung der nachhaltigen Transformation verzichtet werden kann.


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