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Aus dem Verband | Veröffentlicht am 10.06.2021

„Genossenschaften sind Akteure einer nachhaltigen Entwicklung“

Prof. Dr. Christa Liedtke ist wissenschaftliches Mitglied im Nachhaltigkeitsrat des Genossenschaftsverbandes. GENiAL sprach mit der Expertin des Wuppertal Instituts und der Folkwang Universität über ihre Arbeit, Strukturwandel sowie nachhaltiges Design und nachhaltiges Produzieren und Konsumieren.

Prof. Dr. Christa Liedtke ist eine der wissenschaftlichen Expert*innen des Nachhaltigkeitsrates.

Frau Prof. Liedtke, Sie sind Leiterin der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren am Wuppertal Institut und Professorin an der Folkwang Universität. Womit beschäftigen Sie sich genau?
Christa Liedtke: Mit meinen Kolleg*innen erforsche ich Gestaltungsmöglichkeiten einer nachhaltigen, ressourcenleichten Gesellschaft und einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft, in der Produkte und Dienstleistungen hohe Lebensqualität bieten sowie global oder vor Ort nachhaltig produziert werden. Wir analysieren, bewerten und entwickeln zu diesem Zweck technologische und soziale Innovationen in Reallaboren und Living Labs. Hier fokussieren wir die sozial-ökologische Balance von unternehmerischen, gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen und Innovationen. Dabei orientieren wir uns an politischen Strategien wie der Agenda 2030 der Vereinten Nationen, am EU Green Deal oder der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie.

Sie sind nebenberufliche Professorin an der Folkwang Universität der Künste. Was hat diese Tätigkeit mit Nachhaltigkeit zu tun?
Meine Professur im Fachbereich Gestaltung für „Design for Sustainability & Circularity“ verbindet Nachhaltigkeit mit der modernen Design-Forschung. Ich lehre Ansätze des Social Design und Transition Design ebenso wie Strategien, um Produkt-Dienstleistungssysteme ressourcenleicht und kreislaufwirtschaftlich orientiert zu gestalten.

Zusätzlich sind Sie Co-Vorsitzende der Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030, kurz wpn2030. Mit wem arbeiten Sie hier zusammen und zu welchem Ziel?
Die Plattform dient Wissenschaftler*innen gemeinsam mit Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, über wichtige Fragestellungen zum Thema Nachhaltigkeit zu diskutieren und zu reflektieren. Die wpn2030 möchte Raum für Diskussionen schaffen und die Zusammenarbeit aller relevanten Akteur*innen anregen, um eine breite Aktivierung der Wissenschaft für Nachhaltigkeit voranzutreiben. Insbesondere im Hinblick auf die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie möchten wir eine flächendeckende Umsetzung der gesetzten Ziele fördern und antreiben.

Sie sind auch Sachverständige für Verbraucherfragen des Bundesverbraucherschutzministeriums. Was sind hier Ihre Aufgaben?
Der Sachverständigenrat ist ein wissenschaftliches Beratungsgremium des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz. Unsere Aufgabe ist es, die Situation der Verbraucher*innen, Entwicklungstendenzen, Zukunftsthemen und Fehlentwicklungen zu beschreiben sowie Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Dazu veröffentlichten wir im April unser Gutachten zur Lage der Verbraucher*innen in Deutschland. Bezüglich der Nachhaltigkeit war es ein Ziel, herauszufinden, welche Maßnahmen geeignet sind, das Bewusstsein, die Kompetenz und die Gelegenheiten hinsichtlich nachhaltigen Konsums zu stärken. Dabei interessierte uns besonders, inwieweit wir Verbraucher*innen die Möglichkeit erhalten, Kompetenzen für nachhaltigen Konsum im Alltag weiterzuentwickeln und diese auch einzufordern, und welche Ideen und Barrieren es gibt, Nachhaltigkeit im Konsumalltag umzusetzen.

Wie können Sie mit Ihrer Expertise Genossenschaften bei der Umstellung auf mehr Nachhaltigkeit unterstützen?
Genossenschaften sind wichtige Akteure für eine nachhaltige Entwicklung. Sie wachsen aus spezifischen Lebensrealitäten und bieten die Möglichkeit, regionale und lokale Potenziale zu nutzen. Mit meiner Erfahrung in den Bereichen „Design for Sustainability & Circularity“ und „Nachhaltige Produktions- und Konsumsysteme“ kann ich Genossenschaften dabei unterstützen, eben diese Potenziale auszubauen. Beispielsweise haben genossenschaftliche Betriebe eine besondere Chance, die Bedürfnisse und Präferenzen vor Ort zu erfahren und gezielt mit Angeboten zu adressieren. Diese direkte Interaktion und meistens auch das grundlegende Vertrauensverhältnis zwischen den Akteur*innen ist eine wichtige Voraussetzung für den notwendigen sozialen und technischen Wandel in eine nachhaltige und resiliente Gesellschaft und Wirtschaft.

Wie ist Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern beim Thema Nachhaltigkeit aufgestellt?
Die Befragung, die eigens für das Gutachten des Sachverständigenrates für Verbraucherfragen entwickelt wurde, und die Analyse der aktuellen Verbraucherpolitik haben gezeigt, dass es durchaus noch Entwicklungspotenzial gibt. Wie unsere Ergebnisse als auch die Zahlen der Umweltbewusstseinsstudien des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zeigen, ist das Umweltbewusstsein der Deutschen vergleichsweise gut ausgeprägt, jedoch haben die Befragten Probleme, Produktinformationen insbesondere bezüglich der Nachhaltigkeit und auch der Herkunft zu bewerten und sie anschließend in Handeln zu übertragen. Hier sollte die Verbraucherpolitik ansetzen und vertrauenswürdige und schnell erfassbare Informationen bereitstellen.

Was müssen wir Ihrer Meinung bis wann tun, um die Welt für heutige und zukünftige Generationen zu gestalten?
Wir erleben im Moment einen gesellschaftlichen Wandel, an dem wir alle stark beteiligt sind. Das zeigt uns doch, dass wir einen Klimawandel und auch andere Themen innerhalb der Gesellschaft sehr offen und diskursiv angehen sollten – weil wir es können. Hier liegt eine Chance für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, genau jetzt resilientere Lieferketten und fairere regionalwirtschaftliche, global kooperative Wirtschaftsbeziehungen aufzubauen: Diese sollte ergriffen werden, wie wir auch mit der Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 in unserem Papier „Nachhaltig aus der Corona-Krise!“ fordern.

Sabine Bömmer


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