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Aus dem Verband | Veröffentlicht am 31.07.2020

Corona wird Bildung und Weiterbildung nachhaltig verändern

Die Pandemie hat große Auswirkungen auf die Arbeit der GenoAkademie – vor allem ökologisch, wirtschaftlich und im Hinblick auf die Bildungsvermittlung. GENiAL sprach mit Bereichsleiter Udo Urner.

Herr Urner, wie hat es die GenoAkademie geschafft, während des Lockdowns in der Corona-Zeit den Unterricht aufrechtzuerhalten?
Udo Urner: Zunächst einmal gilt es festzuhalten, dass der 13. März 2020, der Tag unseres Lockdowns in der Corona-Pandemie, schon ein sehr besonderes Datum war: Wir mussten quasi von einem Tag auf den anderen aus dem Präsenzgeschäft aussteigen. Wie zu erwarten, konnten wir nicht alle Veranstaltungen direkt digitalisieren und aufrechterhalten, sodass in den ersten 1,5 Wochen auch einige Veranstaltungen abgesagt werden mussten. Aber schon ab dem 23. März konnten wir einen Großteil der in Präsenz vorgesehenen Veranstaltungen digital durchführen: Das waren im April und Mai 545 Veranstaltungen. insgesamt waren es in diesen beiden Monaten 742 digitale Veranstaltungen. Dabei war es uns wichtig, nicht nur das Format zu modifizieren, sondern die Konzeption und Vorgehensweise dem digitalen Format entsprechend anzupassen. Und das war eine große Kraftanstrengung für alle beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Welche Voraussetzungen waren nötig, um diesen hohen Digitalisierungsgrad der Veranstaltungen zu schaffen?
Gelingen konnte dies nur, weil wir uns schon weit vor der Corona-Pandemie auf den Weg der Transformation gemacht haben. Hier möchte ich vor allem drei Punkte nennen:
Wir haben schon 2019 ein Projekt zum Einsatz von iPads im Training aufgesetzt, sodass entsprechende technische, aber auch methodische Kompetenzen, die ganz wichtig sind, bei einer Vielzahl unserer Dozenten und Trainer vorhanden waren. Dieses erste Projekt konnten wir bereits in der Corona-Phase erfolgreich abschließen.
Wir haben zudem seit einigen Jahren eine Abteilung „Digitale Medien“ in der GenoAkademie, die sich mit der methodischen und infrastrukturellen Entwicklung von Bildung im digitalen Kontext befasst – von dieser Struktur und Expertise konnten wir in der Pandemie enorm profitieren.
Außerdem haben wir bereits vor drei Jahren begonnen, in unserer Berufsschule erste Klassen komplett mit iPads auszustatten und damit eine ganz andere Form von Unterricht anzubieten. Inzwischen konnten alle Klassen des GenoKollegs auf „iPad-Unterricht“ umgestellt werden. Das hatte zur Folge, dass eine Umstellung auf digitales Lernen („Homeschooling“), das an anderer Stelle Schulen immense Schwierigkeiten bereitet hat, von den Kolleginnen und Kollegen des GenoKollegs quasi über Nacht realisiert werden konnte. Hierzu verweise ich gerne auf den Bericht meines Kollegen Matthias Dieckmann in der Ausgabe 3 von GENiAL. So konnten wir alle Schüler, insbesondere aber die Abschlussklassen, qualifiziert beschulen und waren nicht darauf angewiesen, ein suboptimales Notfallkonzept durchzuführen. Dies geschah natürlich immer in enger Abstimmung mit der zuständigen Bezirksregierung und dem Schulministerium.

Wie haben Ihre Kunden, vor allem die Genossenschaften, diese Komplettumstellung auf Digitalisierung angenommen?
Zum weit überwiegenden Teil sind unsere Genossenschaften diesen Weg uneingeschränkt mitgegangen. Sie waren sogar – würde ich sagen – positiv überrascht, in welcher Geschwindigkeit und in welcher Qualität wir an vielen Stellen diesen Formatwechsel realisieren konnten. Dabei will ich auch nicht verhehlen, dass es gerade in der Anfangsphase auch immer mal wieder zu Schwierigkeiten gekommen ist, die aber den insgesamt positiven Gesamteindruck nicht konterkarieren.
Gleichzeitig ist aber auch deutlich geworden, dass nicht alle Themen, Zielgruppen oder Formate nachhaltig sinnvoll über digitale Formate bedient werden können. Insofern ist es auch verständlich, dass mit der Zeit der formalen Corona-Lockerungen sowie einer anderen Infektionslage die Rufe lauter wurden, auch wieder Präsenzseminare anzubieten. Das haben wir – sowohl im offenen als auch im Inhouse-Seminargeschäft – ab dem 25. Mai wieder getan. Wenngleich wir von Beginn an gesagt haben, dass bis zur „Sommerpause“ der Schwerpunkt weiter auf digitalen Formaten liegen wird. Unsere Devise: so viel Digitalisierung wie möglich und so wenig Präsenz wie nötig. Gerade im Inhouse-Geschäft erfolgt dies natürlich immer in enger Abstimmung und Rückkopplung mit unseren Auftraggebern.

Welche Vor- und Nachteile können Sie jetzt schon erkennen?
Wie an vielen anderen Stellen, zum Beispiel durch den freien Blick auf den Kilimandscharo oder das klare Wasser in den Kanälen von Venedig, so hat diese Krise auch für uns durchaus positive ökologische Effekte. Unterstellt man zum Beispiel bei unseren 545 digitalen Veranstaltungen im April und Mai eine durchschnittliche Teilnehmeranzahl von 15 Personen und bei der Pkw-Größe unseres Verbandsgebietes eine Pkw-Strecke zum Veranstaltungsort von 200 Kilometern mit Hin- und Rückweg, so ergibt sich dadurch schon eine Umweltentlastung, die sich primär in einem verringerten CO2-Ausstoß von mehr als 250 Tonnen niederschlägt.
Wenn man dies einmal für alle genossenschaftlichen, aber auch sonstigen Bildungsanbieter hochrechnet, die primär im Präsenzgeschäft tätig sind, wird man bei einer Gesamtbelastung durch Verkehr in Deutschland von 163,5 Millionen Tonnen CO2 darüber sicherlich nicht das Klima retten, auf jeden Fall aber einen ordentlichen Beitrag dazu leisten.
In diesem Zusammenhang denkt man häufig dann auch an geringeres Druck- und Papiervolumen. Dies spielt natürlich auch bei uns eine Rolle, wenngleich wir auch hier schon vor einiger Zeit begonnen haben, für viele Seminare keine Unterlagen mehr auszudrucken, sondern diese über VR-Bildung oder über den Downloadbereich der GenoAkademie-Seite zur Verfügung zu stellen. Natürlich haben wir auch hier das Momentum genutzt, um bei den Veranstaltungen, bei denen dies aus unterschiedlichen Gründen bisher noch nicht realisiert wurde, eine sich dadurch zwangsläufig ergebende Umsetzung voranzutreiben.

Wie wird die Corona-Phase Ihrer Meinung nach Bildung und Weiterbildung verändern?
Ich glaube, es ist müßig zu betonen, dass die Krise auch die Bildung und nicht nur die berufliche Weiterbildung verändern wird. Wir sind als GenoAkademie fest davon überzeugt, die Krise gut gesteuert zu haben, weil wir uns bereits frühzeitig auf den Weg der Transformation gemacht haben.
Schaut man sich dies aber gesamtgesell-schaftlich etwas genauer an, werden gravierende Defizite deutlich: Davon können Eltern, deren Kinder im unterschiedlichen Alter, in unterschiedlichen Klassen oder vielleicht sogar unterschiedlichen Schulen im Homeschooling beschult wurden, ein Lied singen. In Teilen muss man das hier Erlebte schon als Zumutung bezeichnen. Dabei ist mir wichtig hervorzuheben, dass wir uns hier in der Diskussion nicht auf ein leistungsfähiges WLAN und die erforderliche Hardware-Ausstattung begrenzen: Hier geht es vielmehr um gute methodische, den technischen Möglichkeiten angepasste Konzepte einer anderen und laufend angepassten Qualifikation der Menschen, die in der Bildung tätig sind. Denn auch hier gilt, Technik ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung.
Auf der anderen Seite wird aber auch deutlich, dass Digitalisierung auch dann, wenn sie gut gemacht ist, nicht alles ersetzen kann. Präsenzmaßnahmen und -anteile gerade zur Weiterentwicklung persönlicher und sozialer Kompetenzen oder zur praxisorientierten Anwendung werden zwingend erforderlich bleiben, wenngleich sich die Schwerpunkte hier in nächster Zeit sicher verschieben werden. Diese hybriden Lernformen, auch Blended Learning genannt, sind im Übrigen auch das Konzept, auf das genossenschaftliche Bildungseinrichtungen seit Jahren setzen und dies auch künftig tun werden.

Was wird die Akademie aus der Corona-Zeit für ihre Zukunft mitnehmen?
Ich glaube, dass es jetzt noch zu früh ist, ein Fazit zu ziehen. Stand heute würde ich drei Dinge nennen, die wir mit Sicherheit aus dieser Krise mitnehmen können.

  • Wir werden unsere aktuellen Angebote schon für die Jahresplanung 2021 noch einmal genau analysieren, um zu prüfen, wo sich weitere Möglichkeiten ergeben, Präsenz durch digitale Formate zu ersetzen: immer natürlich vor dem Hintergrund der Erreichung der Lern- und Seminarziele. Dies auch, weil sich allein durch die Reduzierung von Fahrzeiten eine ökonomische Entlastung bei unseren Mitgliedern ergibt, die außerdem noch auf die ökologische Nachhaltigkeit einzahlt.
  • Wir werden künftig die Weiterentwicklung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerade in diesem Bereich noch weiter forcieren. Dabei achten wir besonders darauf, dass wir die erforderliche Spannbreite zwischen guten digitalen Formaten und ansprechenden Präsenzveranstaltungen gewährleisten können.
  • Auch zukünftig wird es darum gehen, mögliche Trends, die Auswirkungen auf die Bildung haben, zu erkennen und deren Nutzung für die Bildung zu adaptieren. Dabei natürlich immer mit dem Fokus auf eine nachhaltige und vom Markt akzeptierte Umsetzbarkeit, um nicht möglichen Modeerscheinungen nachzulaufen. Nur dadurch, dass wir dies in den vergangenen Jahren in großen Teilen erfolgreich getan haben, waren wir in der Lage, relativ schnell auf die vor uns liegenden Veränderungen reagieren zu können.

Sabine Bömmer


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